Der November-Schnauz

Es ist wieder Movember – Zeit für einen Schnauz. Er soll Männern helfen, über ihre Gesundheit zu sprechen

Dass Schnäuze wieder im Trend liegen, ist nichts neues. Doch wenn Sie im November auffallend vielen be-schnauzten Männern begegnen, dann könnte das nicht nur modische Gründe haben. Dann wollen sie uns vielleicht etwas sagen. Zum Beispiel, dass auch sie Probleme haben, physische und psychische. Logisch? Könnte man meinen. Doch glaubt man der Stiftung Movember, überwiegt unter den Männern noch immer die Haltung «Ein Indianer kennt keinen Schmerz». Und Männer wollen Indianer sein.

Deshalb wurde Movember ins Leben gerufen, eine Bewegung, die jeweils im November für das Thema Männergesundheit sensibilisieren will. Heute ist es die weltweit grösste private Fundraising Organisation zum Thema. «Mo» steht für «moustache», englisch für Schnauz. Das Prinzip ist einfach: Wer mitmacht, rasiert sich Anfang November glatt und lässt einen Schnauz stehen. Er registriert sich mit einem Profil, verbreitet seine Teilnahme auf allen Social-Media-Kanälen und sammelt Spenden für die Stiftung. Diese werden wiederum für die Forschung zu Prostata- und Hodenkrebs, sowie Männergesundheit allgemein eingesetzt. Die Bewegung, die ursprünglich aus Australien stammt, hat sich seit 2003 bereits auf 21 Länder ausgedehnt.

Der Schnauz als Eisbrecher - wenns hilft ... / Bild: movember foundation
Schnauz als Eisbrecher – wenns hilft ... Bild: Movember Foundation

 

 «Der Schnauz soll ein Aufruf sein, um über Probleme zu reden, mit anderen ins Gespräch zu kommen», sagt Matthias Fischer von Movember. Denn im Gegensatz zu Frauen seien sich Männer ihrer Gesundheitsrisiken weniger bewusst. Dabei sei Prostatakrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart bei Männern - aber öffentlich weit weniger thematisiert als Brustkrebs bei Frauen. «Und kaum ein Mann weiss, dass er sich regelmässig die Hoden abtasten lassen sollte», so Fischer. Auch bei dem Thema Ernährung und Bewegung gebe es viele Informationslücken und nicht zuletzt bei der psychischen Gesundheit: zwei Drittel aller Suizide werden von Männern begangen.

Diesen «Movember» haben sich bereits 2000 Personen registriert – darunter auch Frauen: zwar ohne Schnauz, dafür mit einem selbstauferlegten Bewegungsprogramm. Der Clou: die Idee mit dem Schnauz kam in Australien auf, weil dieser damals aus der Mode gekommen war. Wer einen trug, fiel auf! Heute ist das nicht mehr der Fall, aber das Symbol ist geblieben.

Über

Samanta Siegfried

Submitted by reto on Di, 10/10/2017 - 09:47

Samanta Siegfried hat 2010 ihre journalistische Laufbahn als Praktikantin beim Zeitpunkt begonnen. Später besuchte sie die Zeitenspiegel-Reportageschule und berichtet seither als freie Journalistin über Gesellschafts- und Umweltthemen, immer auf der Suche nach leisen Tönen und mutigen Taten. Seit Oktober 2017 ist sie als Webredaktorin zurück beim Zeitpunkt und betreut das Infoportal.

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