Deutsche Pestizidprüfbehörde soll bei Monsanto abgeschrieben haben

Nach schweren Plagiatsvorwürfen soll die Landwirtschaftsministerin umgehend Zulassung für Glyphosat überprüfen. die deutsche Bewertung ist für die ganze EU massgebend.

(Foto: cc_Jakob Huber/Campact)

Die «Grüne Liga» fordert eine umgehende Überprüfung der Zulassung von Glyphosat durch das Landwirtschaftsministerium nach schweren Plagiatsvorwürfen gegenüber dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Zusammenhang mit dem Genehmigungsverfahren von Glyphosat. Die Behörde ist wesentlich an der erfolgreichen europäischen Wiederzulassung des Pestizidwirkstoffs Glyphosat beteiligt. Mitarbeiter des Amtes sollen zu hohen Anteilen aus dem Zulassungsantrag des Pestizidherstellers Monsanto abgeschrieben haben.

Glyphosat erhielt im letzten Jahr trotz Warnungen der Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) auf potentielle Gefahren der Krebsauslösung beim Menschen durch die EU-Kommission eine Neuzulassung für fünf Jahre. Diese Ergebnisse wurden diese Woche im Rahmen der Veröffentlichung einer Studie, die der Pestizid-Sonderausschuss des Europaparlamentes in Auftrag gab, bekannt.

„Diese Vorwürfe sind ungeheuerlich: Ein Bundesinstitut, das Verbraucher vor den Folgen gefährlicher Pestizide schützen soll, schreibt ihre Genehmigung aus den Unterlagen des Pestizid-Herstellers Monsanto ab und verkauft die Erkenntnisse als ihre eigenen “, erklärt der Pestizidexperte der Grünen Liga Tomas Brückmann.
„Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) muss sofort die Vorwürfe gegen das ihr unterstellte Amt überprüfen“ ergänzt Brückmann. „Sollten diese wahr sein, muss die BfR-Einschätzung zurückgezogen werden. Die Zulassung von Glyphosat wäre dann hinfällig“, fordert der Umweltschützer. 

Der Biochemiker Helmut Burtscher-Schaden von GLOBAL 2000 aus Wien stellte gemeinsam mit dem Medienwissenschaftler Stefan Weber diese Woche in Straßburg eine Plagiatsstudie über die Europäische Risikobewertungen von Glyphosat vor. Auftraggeber war fraktionsübergreifend der Pestizidausschuss des EU-Parlaments. Untersuchungsgegenstand waren  Bewertungen der Gesundheits- und der Umweltrisiken von Glyphosat durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Umweltbundesamt (UBA). Diese wurden zwischen 2012 und 2015 im Auftrag der Europäischen Union durchgeführt. Deutschland war für die Prüfung der Wiedergenehmigung von Glyphosat verantwortlich.

Nach Angaben der Autoren soll der Plagiatsanteil der BfR-Einschätzung bei 50 Prozent liegen. Das BfR hat nach ihren Angaben Studienbeschreibungen und Bewertungen aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat-Hersteller kopiert und im Bewertungsbericht als die Beschreibungen und Bewertungen der Behörde dargestellt. Der UBA-Bericht hingegen enthielt keine plagiierten Bewertungen.
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Hintergrundinfos
Plagiatsgutachten: https://www.global2000.at/sites/global/files/Gutachten%20Plagiate%20Gly…
Weitere Informationen zu den Vorwürfen gegen das BfR des Magazins Fakt: https://www.mdr.de/investigativ/fakt-glyphosat-124.html
Weitere Vorwürfe gegen das BfR des Umweltinstitutes München: http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/glyphosat-bf…
Informationen zu den Gefahren des Pestizidwirkstoffes Glyphosat: https://www.grueneliga.de/index.php/de/themen-projekte/pestizide/738-ex…