Filmtipp - von Agrarfabriken und Melkmaschinen

Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn selbst die Bauern der Nahrungsmittelindustrie nicht mehr trauen? Der Dokumentarfilm «Bauer unser» von Regisseur Robert Schablus zeigt am Beispiel von Österreich, wie der globalisierte freie Markt die Landwirtschaft tiefgreifend verändert.

Allein das Setting bricht mit jeglicher Bauernromantik: kalte, fabrikähnliche Gebäude mit mechanisierten Geräten. Protagonisten sind etwa Milchbauern, Mastschwein- und Geflügelzüchter. Einst Bauern aus Leidenschaft, finden sie sich in systemischen Zwängen wider, aus denen es kaum ein Entrinnen gibt. Ihre Bauernhöfe haben sie in Agrarfabriken, ihre Kühe in Melkmaschinen und ihr Weiden in umgepflügtes Ackerland verwandelt – trotzdem bleiben sie hoch verschuldet. Einen Gegenpol bilden kleine Ökobetriebe, die sich für einen anderen Weg entschieden haben, aber ebenfalls ums Überleben kämpfen.

Um nachzuvollziehen, wie es soweit kommen konnte und wer die Geschicke lenkt, kommen unterschiedliche Akteure zu Wort. Darunter der Leiter der größten Molkereigenossenschaft Österreichs, der sagt, Neoliberalismus sei nun einmal brutal. Oder Benedikt Härlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, der eingangs das Ergebnis einer Studie zitiert: geht es so weiter, wird die Landwirtschaft in den nächsten 50 Jahren die Menschheit nicht ernähren können und den Planeten ruinieren.

Der Film lebt allein von den Zitaten der Protagonisten und bleibt, ausser gelegentlich auftauchenden Schrifttafeln, unkommentiert. So nüchtern wie er aufbereitet ist, könnte er auch als Lehrbuch mit dem Titel «Unsere Landwirtschaft – verständlich erklärt» durchgehen. Gerade das macht ihn so erschreckend. Und unbedingt sehenswert.

«Bauer Unser», seit 1.9 auf DVD erhältlich, 88 Min., Österreich / Belgien / Frankreich

Bauer Unser

 

Über

Samanta Siegfried

Submitted by reto on Di, 10/10/2017 - 09:47

Samanta Siegfried hat 2010 ihre journalistische Laufbahn als Praktikantin beim Zeitpunkt begonnen. Später besuchte sie die Zeitenspiegel-Reportageschule und berichtet seither als freie Journalistin über Gesellschafts- und Umweltthemen, immer auf der Suche nach leisen Tönen und mutigen Taten. Seit Oktober 2017 ist sie als Webredaktorin zurück beim Zeitpunkt und betreut das Infoportal.

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