Der Laden, der seinen Konsumenten gehört

Sie nennen sich « die frischlinge» und haben Grosses vor: in Zürich den ersten Mitgliederladen der Schweiz zu eröffnen. Vorausgesetzt, sie können die Finanzierung sichern

die frischlinge stellen sich vor: Fabian, Alex, Simon, Annina, Jonas (v.l.n.r.) © Mario Angst

Manchmal braucht es eine weite Reise, um uns eine Idee nahe zu bringen. So war es bei Alex und Simon. Unterwegs in Nepal hörten sie, dass in Leipzig ein Bioladen auf Mitgliederbasis eröffnete. Die Konsumenten hätten dort Einfluss auf das Sortiment und die Ladengestaltung und erhalten das Bio-Gemüse zum Einkaufspreis. Fasziniert von dem Konzept, brachten die Reisenden die Idee in die Schweiz, entwickelten sie weiter und der Kreis der Interessierten vergrösserte sich. Bis sie schliesslich im Frühjahr 2017 die Genossenschaft «die frischlinge» ins Leben riefen. Der Plan: in Zürich den ersten Mitgliederladen der Schweiz zu eröffnen. Ohne Marge auf den Produkten, dafür mit einem Abosystem zur Deckung der Betriebskosten und der Möglichkeit, den Laden mitzugestalten.

«Mich inspirierte vor allem der Partizipativ-Gedanke,» sagt Jonas von der Crew, «ähnlich einer Gemeinschaft.» Tatsächlich sei die Partizipation der Mitglieder in allen Bereichen der Genossenschaft erwünscht, wie «die frischlinge» betonen. Sei es bei der Ausgestaltung des Sortiments, dem Kontakt zu Produzenten oder im täglichen Betrieb des Ladens. «Wir rechnen damit, dass es auch anstrengend wird», räumt Jonas ein. So wird der Laden anfangs etwa kein Fleisch anbieten. Sollten die Mitglieder diesen Wunsch jedoch einbringen, wird das Sortiment angepasst.

Noch ist das Vorhaben aber nicht in trockenen Tüchern. Seit dem 4. November läuft die erste Finanzierungsrunde, mit der die Gruppe mit dem Verkauf von Genossenschaftsanteilen und Spenden 60 000 Franken sammeln will. Damit soll das Startsortiment, die Ladeneinrichtung und Liquiditätsreserven sowie Miete für die ersten drei Monate gedeckt werden. Zurzeit sieht es gut aus, bereits 38 000 Franken sind zusammengekommen. «Wir rechnen zu 90 Prozent mit der Ladeneröffnung» sagt Jonas. Diese soll im März stattfinden, der Standort steht noch nicht fest. «Mietverträge unterschreiben wir erst nach erfolgreicher Finanzierung.» Dann wird auch viel Arbeit anstehen, die das Team unentgeltlich leisten wird. Werden Überschüsse erzielt, entscheiden die Mitglieder darüber, ob damit Reserven angelegt, die Abo-Beiträge gesenkt werden, ein besonderes Projekt unterstützt wird.

Der Zeitpunkt findet: ein Pionierprojekt mit viel Herzblut, das definitiv Unterstützung verdient hat!