Die Armut kommt von der Poverthé

Die Armut kommt von der Poverthe. Dieses Fritz Reuter-Zitat, hat Hinter-Sinn. Italien erklärt, dass es sich jetzt erst einmal weiter verschulden muss, damit es wachsen kann, um sich dann endlich wieder entschulden zu können. Der ganze dumme Wachstums-Wahn geht also in die nächste Runde.

Dass diese Wachstumskrisen selbstgemacht sind, und ihre Ursache im „Wachstums-Wahn“ haben,  darauf weisen Kay Bourcade und Karsten Herzmann mit ihrer Streitschrift „Die Scheinkrise“ hin. Sie führen uns die fatalen Folgen des Wachstumsirrtums vor Augen. Der zentrale Punkt ist: Ganz gleich wie sehr wir es uns wünschen und was auch immer Staaten unternehmen: Der tendenzielle Fall der Wachstumsrate gegen Null, ist nicht  zu ändern.

Die Wirtschaft wächst nicht exponentiell sondern linear.

Die Wirtschaft wächst nämlich nicht exponentiell sondern linear. Das ist keine schlechte Nachricht. Es ist eine sehr gute Nachricht. Denn dieses lineare Wachstum ist so konstant, dass man darauf eine Politik aufbauen kann, die uns aus dem „eisernen Gefängnis der Wachstumszwänge und der Krisendynamiken“ befreit.

Dass wir nicht in der Lage sind „exponentiell“ zu denken, steht am Anfang aller Irrtümer, sagen die Experten, die seit 2003 das Institut für Wachstumsstudien betreiben. Und: Um die Welt endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen, würde ein Blick auf die absoluten Zahlen genügen. Um genau 30 Milliarden Euro steigt Deutschlands Wirtschaftskraft jährlich – und das konstant. Das ist – bezogen auf die riesige  Grundgesamtheit – in Prozenten betrachtet – jedes Jahre ein bisschen weniger.

So harmlos dieses Zahlenspiel auf den ersten Blick aussehen mag: Es hat es in sich. Es bedeutet nämlich, dass alle Systeme, die von exponentiellen Zuwächsen ausgehen, scheitern müssen. Und alle Versuche gegen diese Wirklichkeit anzurennen versagen nicht nur, sie machen alles schlimmer.

Privat gedeckte Renten, Staatsverschuldung und endlose Gewinnversprechen auf Finanzmärkten, die das allesamt ignorieren, sind die Mütter aller Krisen und Ursache gefährlicher Umverteilungsorgien. Ein Gutes hat die Sache übrigens: Auch die Umweltprobleme wachsen nicht exponentiell, sondern linear. Das ist schlimm genug. Aber es könnte schlimmer kommen. Italien hingegen, steht das Schlimmste noch bevor. Europa auch.

 

Kay Bourcade, Karsten Herzmann
Die Scheinkrise. 
Warum es uns besser geht als je zuvor
und wir dennoch das Gefühl haben zu scheitern.

Wochenschau Verlag Frankfurt/M
ISBN 978-3-7344-0701-7
168 Seiten, 14,90 Euro

 

24. Oktober 2018
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