Ernährungsdemokratie stärken

Das zweite Vernetzungstreffen der Ernährungsräte fand an diesem Wochenende in Frankfurt statt. Gastgeber war der Ernährungsrat Frankfurt. Rund dreißig Initiativen waren der Einladung gefolgt.

cc: Inkota

Ernährungsräte gibt es inzwischen überall in der Welt. Vorreiter in Deutschland waren Köln (Taste of Heimat) und Berlin. Auch in der Schweiz gibt es in Biel, Basel und Zürich Initiativen,  die sich als Ernährungsräte verstehen.

Die Veranstalter wollten den Erfahrungsaustausch zwischen den Initiativen ermöglichen. 

Hessen vorn?

Das Land Hessen war durch die grüne Umweltministerin Priska Hinz vertreten, die stolz berichtete, dass der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen in diesem Jahr um 50 Prozent gestiegen sei. Der Anteil an der Gesamtfläche soll in Hessen bis zum Ende der Legislaturperiode auf 25 Prozent steigen. 

Von Toronto lernen: Ernährungsdemokratie ist gut für alle

Aus Toronto war Lori Stahlbrand angereist, die für den dortigen Food Policy Council tätig ist. Die Professorin fördert die lokale und nachhaltige Lebensmittelbeschaffung. Ihre Botschaft: Städte können nicht nur viel für die Ernährung tun, die Ernährung kann auch sehr viel für die Städte tun.

Die Versorgungssicherheit von Ballungsräume sei wegen des Klimawandels eine der grössten globalen Herausforderungen der Gegenwart. Sie erfordere die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Akteuren und dem Umland. Eine Ernährungsdemokratie stärke den sozialen Zusammenhalt, fördere die Wirtschaft, schaffe Arbeitsplätze, reduziere das Abfallaufkommen, und sei gut für die Gesundheit. 

Kopenhagen macht es vor: Eine ganze Stadt isst bio.

Für die Teilnehmer war der Vortrag des Dänen Kenneth Hogaard ganz besonders interessant. Die Gemeinschaftsverpflegungen in Kindergärten, Schulen, Unternehmen, Krankenhäusern und öffentlichen Kantinen ist nämlich ein Handlungsfeld, das viele Ernährungsräte in Deutschland beschäftigt.

Und genau in diesem Bereich kann Kopenhagen eine überragende Erfolgsbilanz aufweisen. Das House of Food, in dem Kenneth Hojgaard tätig ist,  wurde 2007 als unabhängige, gemeinnützige Stiftung  von der Stadt Kopenhagen gegründet, um eine „gesunde, glückliche und nachhaltige Essens-Kultur“ zu fördern. 

Das ist dem House of Food so gründlich gelungen, dass 90 Prozent aller öffentlichen Einrichtungen inzwischen gesund und überwiegend „bio“ kochen. Möglich wurde das, durch eine intensive Beratung und Weiterbildung der Köche und des Kantinenpersonals. Sie wurden dazu befähigt selber, regional und „bio“ zu kochen. Dass dies nicht teurer ist, als das Aufwärmen von vorgekochtem Essen, aber viel mehr Spaß macht und allen besser schmeckt, hat Kopenhagen definitiv bewiesen. 

Nicht nur Kantinen sind im Fokus der House-of-Food-Aktivitäten. Derzeit finden  in zwölf  Schulküchen jedes Jahr 250 Kochkurse statt. „Die 20 Minuten, die Schüler jeden Tag essen, so Kenneth Hojgaard, ist eine riesige Chance, um sie mit gutem Essen vertraut zu machen."