Moschee für alle in Berlin

Im Juni gründete Seyran Ates eine liberale Moschee in Berlin. Seither steht sie unter Polizeischutz. Ein mutiges Zeichen für einen friedlich gelebten Islam für alle.

«Die USA haben kein Interesse an Frieden in Eurasien», lautet die Analyse des US-Strategen George Friedman. Die Eurasier hingegen haben Interesse an Frieden in Eurasien. Doch den wird es auch im Nahen Osten erst geben, wenn genügend Menschen begreifen: Wir dürfen uns nicht mehr gegeneinander aufhetzen lassen. 

Wer das besonders gut begriffen hat, ist die Rechtsanwältin und Menschenrechtlerin Seyran Ates. Im Juni dieses Jahres gründete sie die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Schiiten beten dort gemeinsam mit Sunniten, Frauen gemeinsam mit Männern, alle gemeinsam mit allen. Religion ist etwas Lebendiges, das sich entwickeln darf. So schafft man Frieden in Eurasien. 

Die Morddrohungen seitens radikaler Islamisten gegen Seyran Ates sind seit Gründung der Moschee in die Höhe geschnellt; sie macht trotzdem weiter. Davor ziehen wir den Hut; denn nur durch Frieden entsteht Frieden, auf keine andere Weise sonst. Die Berliner Moschee hat das Potential, eine Kettenreaktion auszulösen. Schon regen sich Bestrebungen gleicher Ausrichtung in der Schweiz. Der gläubige Muslim Kerem Adigüzel träumt von der Eröffnung einer liberalen Moschee in Zürich. Ähnlich wie Seyran Ates versteht er den Koran als ein «friedfertiges Buch», das den Austausch mit Andersgläubigen fördert; vereinbar mit den rechtsstaatlichen Prinzipen der Schweiz. Doch er weiss auch: «Ich erwarte, dass ich zur Zielscheibe werde». Was ihm Kraft gibt, ist das Wissen darüber, dass er vielen Leuten aus dem Herzen spricht. Zum Beispiel uns! Die Hand zuckt bereits in Richtung Krempe, bereit zu tausend und einem Chapeau für mehr Frieden in Eurasien.

https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de