China und Nigeria: das neue Paradigma in Aktion

Im Rahmen des China-Besuchs des nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari am 12.4. wurde ein zukunftsweisendes Abkommen unterzeichnet, mit dem China sich bereiterklärt, Nigerias ehrgeizige Infrastrukturpläne mit einem Kredit über 6 Mrd.$ zu fördern. Dies entspricht einem Fünftel des Staatshaushalts des Landes.
Damit kann Nigeria, das bevölkerungsreichste (175 Mio.) Land Afrikas, den Boykott des Weltwährungsfonds (IWF) umgehen, der als Bedingung für Kredite eine Abwertung der Landeswährung Naira fordert. Gäbe Nigeria dem nach, würde dies die Bevölkerung in Hunger und Armut stürzen, weil das Land sehr stark von Importen abhängig ist, deren Preise in die Höhe schiessen würde.1
Dank des chinesischen Kredits kann die Regierung ihren Investitionsplan aufrechterhalten, obwohl die Staatseinnahmen wegen des niedrigen Ölpreises stark gesunken sind. Sie lässt sich nicht davon abbringen, ein Drittel des Budgets in Realkapital zu investieren, um dem Land eine Zukunft zu sichern.

„Wir steigen in grosse Entwicklungsprogramme in Energie, Strassen, Häfen und Flughäfen ein, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industriebetriebe in Nigeria stärken werden“, sagte Buhari auf einem Investmentforum in Beijing.

Sein Aussenminister Geoffrey Oneyama betonte, China „ist nicht auf politische Zugewinne aus, will kein anderes Land beherrschen... Sie sind bereit, uns zu helfen.“ China ist schon jetzt Nigerias grösster Handelspartner.

Der Chef des Unternehmens BGL Capital aus Lagos, Femi Ademola, äusserte sich ebenso optimistisch. Er sagte der nigerianischen Zeitung This Day: „Bedenkt man, was China überall in Afrika hinsichtlich des Ausbaus der Infrastruktur bewirken konnte, muss man den Eindruck erhalten, dass diese Vereinbarung mit der Bundesregierung Nigerias eine sehr gute Idee ist... Äthiopien ist ein sehr gutes Fallbeispiel dafür, was eine solche Vereinbarung mit den Chinesen bewirken kann.“ Zusätzlich schlossen die nigerianische Zentralbank und Chinas Industrie- und Handelsbank ein Devisenabkommen, das den Naira im internationalen Handel weiter stärken wird. Nigeria soll die Abrechnungszentrale für alle Yuan-Geschäfte in Afrika werden. Damit können nigerianische Händler und Fabrikanten ihre Geschäfte in Yuan statt in Dollar abwickeln.

Buhari besichtigte auch den Luft- und Raumfahrtkonzern China Aerospace Science and Technology Corporation. Nigeria ist dessen erster ausländischer Kunde, es hat schon zwei Satelliten gekauft und zwei weitere bestellt.

Das Empire war über Buharis erfolgreichen China-Besuch nicht erfreut. In der Financial Times hiess es am 13.4., Buharis Unterstützung im Volk „schwindet dahin“, und der gegenwärtige Naira- Kurs verzerre den freien Markt, was das Wachstum behindere. „Es besteht die Gefahr, dass Nigerias Neuanfang entgleist“, so die ominöse Warnung des Sprachrohrs der City.

 1: http://www.premiumtimesng.com/news/topnews/ 201873-presidency-lists-nigerias-benefitsbuharis- china-visit.html


_____________________________

Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


Der lesenswerte Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, c.hartmann@eirna.com
02. Mai 2016
von: