Der Informationskrieg um Syrien

Die sorgfältig ausgehandelte Waffenruhe wurde von der syrischen Armee nicht mehr eingehalten, nachdem die US-geführte Koalition am 17.9. Deir Ezzor angriff und dabei mehr als 60 syrische Soldaten tötete und 100 verletzte. Die USA behaupteten, es habe sich um ein „Versehen“ gehandelt.

Amerikanische Experten meldeten angesichts der US-Aufklärungskapazitäten umgehend Zweifel an dieser Behauptung an. Der republikanische Landessenator Richard Black aus Virginia drückte in einem Schreiben an den syrischen UN-Botschafter Baschar Dschaafari sein „tiefstes Bedauern über die furchtbare Tragödie“ aus. „Ich kann zwar nicht sagen, ob dies ein absichtlicher Angriff war, aber die Frontlinie bei Deir Ezzor ist seit Jahren annähernd gleich geblieben und die Flugzeuge, die diese Stellungen angriffen, waren mit GPS- Satellitenzielerfassung ausgerüstet. Mir wird übel bei dem Gedanken, daß der Angriff möglicher-weise absichtlich unternommen wurde, um IS-Truppen dabei zu helfen, die heldenhaften Verteidiger der Stadt zu überwältigen...“
Er fährt fort: „Normalerweise würde ich den Angriff als Versehen abhaken. Aber das Außenministerium hat gelegentlich schon IS als nützliches Werkzeug im verdeckten Krieg der USA gegen Syrien betrachtet.“  

Oberst a.D. Patrick Lang, früherer Abteilungsleiter des Militärgeheimdienstes DIA, betonte ebenfalls, es sei kaum vorstellbar, daß das Pentagon mit seiner präzisen Satelliten- und Funkaufklärung nicht wußte, wie die Stellungen verliefen, vor allem da diese sich seit Monaten nicht verändert hatten. Als zwei Tage später tragischerweise ein UNHilfskonvoi angegriffen wurde, behaupteten USRegierungsvertreter sofort, es habe sich um syrische und/oder russische Luftangriffe gehandelt, bevor irgendwelche Beweise dafür vorlagen. Nachdem es zuerst in einer Stellungnahme der UN hieß, es seien Luftangriffe gewesen, korrigierte dies ein Sprecher später und erklärte, die UN könne die Ursache des Schadens nicht eindeutig klären. Russische und syrische Sprecher haben Hinweise auf Boden-Boden- Raketen von ISIS-nahen Gruppen vorgelegt.
Der frühere Chef des NATO-Militärausschusses, der deutsche General Harald Kujat, forderte eine Untersuchung vor Ort. Er sagte N-TV am 21.9., er könne sich nicht vorstellen, daß Rußland auf diese Weise das Abkommen mit den USA torpediere, und es sei auch unwahrscheinlich, daß der syrische Staat einen Konvoi des Syrischen Halbmonds bombardiere. Die Terroristen hätten dagegen ein Motiv, da sie unbedingt verhindern wollen, daß die USA und Rußland gegen sie zusammenarbeiten.



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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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29. September 2016
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