Die Fed in der Zwickmühle

Seit nunmehr 15 Monaten verschiebt die USNotenbank Federal Reserve immer wieder ihre Beendigung der Nullzinspolitik. Beim Treffen des Offenmarktausschusses am 17.9. stimmten neun Mitglieder für einen unveränderten Zinssatz, eines plädierte sogar für negative Zinsen. Als verlogene Begründung nannte die Fed-Vorsitzende Janet Yellen „starken Gegenwind aus dem Ausland“, insbesondere China.
Dem widersprachen umgehend der Chefökonom der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, und der Chef der indischen Zentralbank, Raghuram Rajan.

Die Fed habe selbst die Wachstumsprognose für die USA von 3% auf 2,1% herabgestuft, während die Prognose für China lediglich von 7% auf 6,9% reduziert wurde.


In Wirklichkeit war es also die Schwäche der USWirtschaft, was die Fed motivierte. Hellmeyer wies auf die Antwort des chinesischen Finanzministeriums an die Fed hin: „Die Erholung der US-Wirtschaft ist nicht stabil.“ Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatte in ihrem Quartalsbericht vom 15.9. gewarnt, eine Zinserhöhung würde einen Crash des globalen Finanzsystems auslösen.


Bei der Vorstellung des Berichts warnte der Leiter des BIZ-Währungsabteilung, Claudio Borio, der Schuldenanteil sei in allen wichtigen Regionen der Weltwirtschaft extrem hoch, deshalb sei das Finanzsystem äußerst anfällig, falls die Fed die Geldzufuhr drossele. Die Marktturbulenzen und der Kapitalabfluß aus China seien Warnsignale dafür, daß die massive Inflation der Blase eine Grenze erreicht habe.


Borio warnte nur wenig verklausuliert vor einem globalen finanziellen Erdbeben: „Wir sehen keine isolierten Beben, sondern das Ablassen von Druck, der sich nach und nach über die Jahre entlang großer Verwerfungslinien aufgebaut hat.“ Der BIZ-Bericht zeigt, daß das Gesamtverhältnis von Schulden zum Wirtschaftsprodukt heute deutlich höher ist als vor dem Crash 2007-08. Das alles zeigt einmal mehr den Bankrott des ganzen Systems, auf den wir in unseren Publikationen immer wieder hingewiesen haben.


Die Zentralbanken befinden sich jetzt in einer unlösbaren Zwickmühle: Zinserhöhungen führen zum sofortigen Bankrott, das Geldpumpen (quantitative easing) bei Beibehaltung der Niedrigstzinspolitik führt etwas später zum gleichen Ergebnis – eine klassische Form der Insolvenzverschleppung. Nur die sofortige Einführung des Glass-Steagall- Trennbankensystems kann die Welt vor dem bevorstehenden Chaos bewahren.


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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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