Die Finanzblasen 2008-13 vor dem Platzen

Die Blase der aufstrebenden Märkte, die sich aus Hunderten von Milliarden Dollar Spekulationskapital europäischer und US-Banken aus Zentralbankkrediten speiste, ist jetzt geplatzt. Deshalb stürzen die betroffenen Währungen und die transatlantischen Finanzmärkte ab. Seitdem man von einem Kurswechsel in der Währungspolitik der Federal Reserve und anderer Zentralbanken ausgeht, wurden im Jahr 2013 insgesamt 59 Mrd.$ aus aufstrebenden Märkten abgezogen. Ähnlich wie die Blase der minderwertigen Subprime-Hypotheken, die 2007 den Systemkollaps auslöste, ist auch diese Schwellenländer-Blase nur eine von vielen, die durch die hyperinflationäre Politik der Zentralbanken erneuert wurden. Das Finanzsystem ist heute verschuldeter, verrotteter und reifer für den Totalkollaps als vor fünf Jahren. Laut einer Umfrage, die in der Süddeutschen Zeitung erschien, bräuchten die europäischen Banken 770 Mrd.€, nur um ihre faulen Vermögenswerte zu decken. Allein für französische und deutsche Banken sind es 485 Mrd., davon Frankreich 285 Mrd. Die Leiter der Erhebung waren Prof. Sascha Steffen von der European School of Management and Technology in Berlin und Viral Acharya von der New York Stern School of Business. Unterdessen arbeitet die EZB an ihrer «Prüfung der Aktiva-Qualität» (Asset Quality Review) von über 100 Banken, deren Resultate im Laufe dieses Jahres bekanntgegeben werden sollen. Wenn ihre Zahlen dann unter denen der Umfrage liegen, sind sie nicht glaubwürdig.


Nun betrachte man die ungewöhnliche Äusserung des früheren Zentralbankers und heutigen Verwaltungsratspräsidenten der UBS Axel Weber auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, der die Krise einer Grossbank vorhersagte. Er sei überzeugt, dass bald einige Grossbanken in Europa den Stresstest der EZB «trotz des politischen Drucks» nicht bestehen werden und dann versuchen müssten, mehr Kapital aufzunehmen, es aber nicht bekommen.
Dann bleibe nur die Wahl zwischen Zuschuss staatlichen Kapitals - was eine Wiederholung der Staatsschuldenkrise von 2010-12 wäre - oder dem Untergang der Bank. Auch EZB-Chef Mario Draghi ist nervös. In einem Interview sagte er in Davos, der europäische Bankenabwicklungsfonds müsse schon früher als - wie von den europäischen Regierungen geplant - im Jahr 2023 aufgefüllt sein. Andere Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums äusserten besorgt, bei der Europawahl im Mai könnten antieuropäische Parteien beispiellose Wahlergebnisse erringen. Mehrere dieser Parteien befürworten das, was der Finanzoligarchie den Garaus machen würde: eine neue Glass-Steagall-Bankentrennung.


Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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