Die strategische Bedeutung der Abwendung der Ukraine

Am 21.11. hat die ukrainische Regierung die Verhandlungen über ein Assoziierungsund Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) unerwartet ausgesetzt, weil die Bedingungen für die Industrie und allgemein für die Wirtschaft des Landes verheerende Folgen hätten. Ukrainische Regierungssprecher erklärten, das Land sei auf die weitere Zusammenarbeit mit Rußland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken angewiesen.

Trotz massiven Drucks der EU blieb Präsident Janukowitsch auf dem Gipfel der EU und osteuropäischer Länder im litauischen Vilnius am 29.11.

bei seiner Haltung. Er betonte wiederholt, die Ukraine solle sich der EU nur als gleichberechtigter Partner annähern.

Diese Entwicklung könnte das ganze strategische Schachbrett über den Haufen werfen. Da die gesamte transatlantische Region ihren Wohlstand und ihre Wirtschaft opfert, um ein hoffnungslos bankrottes Finanzsystem zu retten, suchen immer mehr Regierungen nach einem Ausweg. In seinem jüngsten Internetforum am 30.11. sagte Larouche, die ukrainische Entscheidung, die Integration in die EU zu überdenken, sei Teil einer größeren Dynamik hin zu einer «völlig neuen Definition der Zivilisation». Die Welt sei heute in zwei Teile geteilt: auf der einen Seite Asien mit einer positiven Dynamik, und auf der anderen Seite die in Niedergang und Zerfall befindliche transatlantische Region. Die Ukraine könne es nicht hinnehmen, sich von Westeuropa vereinnahmen zu lassen, weil das «eine Todesspirale in ihrer Bevölkerung» auslösen würde.

Daher wende die Ukraine sich Rußland und Asien zu, weil dort reales wirtschaftliches Wachstum stattfinde.

«Der Trend ist, zu einer eurasischen Orientierung überzugehen. Das wird wahrscheinlich auch Deutschland erfassen und wenn, wird das auch die Schweiz und Österreich etc. einbeziehen. Wir sehen also, daß eine große Veränderung unterwegs ist.» Wie die Entscheidung ausgehe, sei jedoch noch nicht klar.

Wie schon öfters betont, ist Deutschland für den strategischen Ausgang entscheidend, weil Deutschlands Zukunft darin liegt, bei der wirtschaftlichen Entwicklung Eurasiens zu helfen. Diese Chance bestand schon einmal nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre, aber damals machte Deutschland den großen Fehler, sich auf den Maastricht-Vertrag und den Euro einzulassen.

Die USA und die Eurozone in ihrem gegenwärtigen Zustand sind dem Untergang geweiht, aber die eurasische Entwicklung bietet eine reale Perspektive und Europa und speziell Deutschland könnten sich dafür entscheiden, daran mitzuwirken. Das gleiche gilt für die USA, wenn sie die Wall Street und Präsident Obama abschütteln und sich auf die Entwicklung der transpazifischen Region konzentrieren.


Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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05. Dezember 2013
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