Nachhaltige Fischerei: Auf die Größe kommt es an

"Zur Bestandserholung nur erwachsene Tiere befischen"

Der Druck auf die Fischbestände wäre bis zu siebenfach geringer, wenn sich die Fischerei auf das Fangen erwachsener, also geschlechtsreifer Fische konzentrieren würde. So lautet die Schlüsselbotschaft einer aktuellen Studie unter Leitung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften. Würden nur Fische in einer Lebensphase gefangen, in der Wachstumsrate und Biomasse ihr Maximum erreicht haben, könnte auch die Fischerei dauerhaft profitieren, sagt das Team um den Fischereibiologen Rainer Froese. Denn dann wäre der Fortbestand der Populationen gesichert und die Fischerei würde ökologisch und ökonomisch nachhaltig agieren.

Die Wissenschaftler analysierten die Auswirkungen der Fischerei auf neun verschiedene Arten - von Sprotte und Hering bis zu Kabeljau und Scholle - in Nord- und Ostsee. "Zum einen haben wir die gegenwärtigen Daten erfasst. Zum anderen haben wir Entwicklungen simuliert basierend auf den neuen Empfehlungen der EU-Kommission und auf unserer Größenempfehlung", erklärt Froese im Gespräch mit pressetext. Die deutlichsten Folgen stellten sie dabei für die großen Fischarten fest, da heutzutage fast nur noch Jungtiere gefangen werden, die noch nicht geschlechtsreif sind. "Während die kleinen Arten schnellwüchsig und rasch geschlechtsreif sind, beträgt diese Spanne bei den großen Fischen rund drei bis fünf Jahre", sagt der Wissenschaftler. Die Tiere werden aber häufig dem Lebenszyklus entzogen noch bevor sie Nachwuchs gezeugt haben. Auf Dauer könne eine Fischpopulation das Fehlen einer Nachfolgegeneration nicht überstehen, Folge ist ihr Zusammenbruch. "Es handelt sich um eine reale Gefahr, wie diverse Fangverbote in der Vergangenheit beispielsweise für den Hering beweisen."

"Wir empfehlen daher die Fische erst ein bis drei Jahre nach ihrer ersten Fortpflanzung zu fangen, wenn sie ihre Lebensaufgabe größtenteils erfüllt haben und der Bestand gesichert ist", erläutert Froese. Beim Kabeljau entspräche dies etwa einer Größe von 80 Zentimeter. Den Berechnungen des Teams zufolge ließe sich durch eine Beschränkung des Fangs die Wildpopulation vor allem der großen Arten um ein Vielfaches vergrößern. Eine solche Erholung ermögliche auch, die Fangquoten in kürzerer Zeit zu erzielen und dadurch Kosten zu sparen. "Auch eine schrittweise Umstellung würde uns entgegenkommen. Fest steht aber, dass sich etwas bewegen muss. Derzeit tut es das nämlich nicht", mahnt Froese.

Quelle: Pressetext