Papst Franziskus verurteilt System „einer Gottheit namens Geld“

In dem Vakuum, das durch die Kapitulation der politischen Führungen entstanden ist, hat Papst Franziskus I. die Führung im Kampf gegen die Globalisierung übernommen. Bei seinem zweiten Besuch in einer italienischen Region (nach Lampedusa) besuchte Papst Franziskus am 22.9. Sardinien, das unter hoher Arbeitslosigkeit und Deindustrialisierung leidet. Bei einer Rede vor Arbeitslosen liess er das vorbereitete Manuskript beiseite und sprach frei.

Der Papst erzählte zunächst von seinen Eltern, die die schreckliche Krise der 1930er Jahre erlebt hätten. „Sie verloren alles! Es gab keine Arbeit! Und ich hörte als Kind zu, wenn man zuhause über diese Zeit sprach. Ich war nicht dabei, ich war noch nicht geboren, aber ich hörte von diesem Elend, diesem Leid bei mir zuhause.“ Weiter sagte er: „Wo keine Arbeit ist, da ist auch keine Würde! Und das ist nicht nur ein Problem Sardiniens – obwohl es hier sehr stark ist! – es ist nicht nur ein Problem Italiens oder einiger Länder in Europa; es ist die Konsequenz einer globalen Entscheidung, eines Wirtschaftssystems, das zu dieser Tragödie führt, eines Wirtschaftssystems, in dessen Mittelpunkt ein Götze namens Geld steht... Um diese Gottheit zu verteidigen, scharen sich alle um das Zentrum und die am Rande werden niedergemacht, die Alten fallen durch die Ritzen, weil in dieser Welt für sie kein Platz ist! Einige nennen diese Gewohnheit ,versteckte Euthanasie’, man versorgt sie nicht, man denkt nicht an sie.... ,Nein, schert euch nicht um sie...’ Und die Jungen, die keine Arbeit finden, stürzen ab, und mit ihnen ihre Würde! Ist euch klar, dass in einer Welt, in der die Jugend – zwei Generationen junger Menschen – keine Arbeit hat, dass es in dieser Welt keine Zukunft gibt? ... Es ist schwierig, ohne Arbeit Würde zu haben. Darunter leidet ihr hier. Das ist euer Gebet, das ihr hier ausruft: ,Arbeit, Arbeit, Arbeit!’ Es ist ein notwendiges Gebet. Arbeit bedeutet Würde, Arbeit bedeutet, das Essen auf den Tisch zu bringen, Arbeit bedeutet zu lieben! Um den Götzendienst für dieses Wirtschaftssystem zu verteidigen, hat man die ,Kultur der Triage’ geschaffen: Grosseltern und Kinder werden ihr als Opfer gebracht. Und wir müssen Nein sagen zu dieser ,Kultur der Triage’. Wir müssen sagen: ,Wir wollen ein gerechtes System! Ein System, das alle voran bringen kann!’ Wir müssen sagen: ,Wir wollen dieses globalisierte Wirtschaftssystem nicht, das uns so schweren Schaden zufügt!’ Männer und Frauen müssen im Mittelpunkt stehen, so wie es Gottes Wille ist, und nicht das Geld!“

Papst Franziskus gab kürzlich auch dem Herausgeber des Jesuiten-Magazins Civiltà Cattolica ein langes Interview, in dem er erklärt, er wolle, dass die katholische Kirche wie ein „Feldlazarett“ für Seelen arbeite, statt dogmatisch auf Morallehren zu beharren und um Einzelthemen zu streiten. Nach seinen kulturellen Vorlieben gefragt, nannte er allen voran Bach, Mozart und den „prometheischen“ Beethoven und fügte hinzu: „Der prometheischste Interpret ist für mich [der Dirigent Wilhelm] Furtwängler.“

Den gesamten Text des Interviews auf Deutsch finden Sie unter http://www.stimmen-der-zeit.de/

Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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04. Oktober 2013
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