Südamerikas BRICS-Bündnis war „Alarmstufe rot“ für transatlantisches System

In einem zweistündigen Interview an ihrem Wohnsitz in El Calafate in der Provinz Santa Cruz am 23.7. sagte die frühere argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner vor Journalisten, die laufende Destabilisierung in mehreren iberoamerikanischen Staaten - u.a. Venezuela, Brasilien, Bolivien - sei eine unmittelbare Folge davon, daß diese und andere Regierungen in der Region sich mutig mit den BRICS-Ländern (Brasilien, Rußland, Indien, China, Südafrika) verbündeten, denn dies habe in den USA und mit ihnen verbündeten Ländern die „Alarmstufe rot“ ausgelöst.

Mehrere Regierungen, darunter ihre eigene und die ihres Vorgängers und Ehemannes Néstor Kirchner, hätten strategische Vereinbarungen mit Rußland und China geschlossen. Dann besuchten der russische Präsident Putin und der chinesische Präsident XI Jinping im Juli 2014 direkt im „Hinterhof“ der USA den BRICS-Gipfel im brasilianischen Fortaleza mit Staatschefs und Leitern regionaler Organisationen aus der Karibik, Mittel- und Südamerika, um über Infrastrukturaufbau zu sprechen. Dort sei die Gründung der Neuen Entwicklungsbank (NDB oder NEB) als „Alternative zum Internationalen Währungsfonds“ beschlossen worden. Das habe mit Sicherheit „Interessen auf den Plan gerufen“, fuhr Fernández fort, die einschritten, um den Zugang dieser Länder zur Region zu beschränken. Die USA sähen in der multipolaren Welt, die sich herausbildet, eine Gefahr für ihre geopolitischen Interessen.

Infolgedessen liege heute der gesamte Kontinent im Streit, so die Ex-Präsidentin; alle patriotischen Regierungen, die das Recht ihrer Bürger auf wirtschaftliche und soziale Entwicklung schützen wollten, würden massiv angegriffen, um die „Multipolarität“ des BRICS-Paradigmas zu schwächen. Regionale Organisationen wie der Gemeinsame Markt des Südens (Mercosur) oder die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) würden systematisch geschwächt. Fernández betonte auch, die gegen sie selbst angewandten Methoden - die Attacke einer korrupten Justiz und korrupter, kontrollierter Medien auf unliebsame Persönlichkeiten - sehe man überall in der Region, am bösartigsten jedoch in Brasilien gegen die vorläufig abgesetzte Präsidentin Dilma Rousseff. In der Vergangenheit seien stets Militärputsche das Mittel gewesen, um die Politik des internationalen Finanzkartells durchzusetzen, heute werde zu diesem Zweck die Justiz pervertiert, u.a. auch von ihrem Nachfolger Mauricio Macri. In einer immer komplexeren Welt brauche man Staatsmänner von der Statur eines Charles de Gaulle, Nelson Mandela oder John F. Kennedy; Wladimir Putin stehe beispielhaft für diese notwendigen Führungsqualitäten.


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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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17. August 2016
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