Warum China die Spekulationsblase platzen lassen kann, aber der Westen nicht

Finanzblase ist nicht gleich Finanzblase, die in China ist anders als die im transatlantischen System. Als die Regierung in Beijing erkannte, daß die Shanghaier Börse mit einem Kursanstieg um 150% innerhalb eines Jahres eine Blase geschaffen hatte, packte sie das Problem an, indem sie im Mai die vorgeschriebene Mindestreserve für die Banken erhöhte und im wesentlichen Maßnahmen ergriff, um Kleinanlegern zu helfen. Das Problem der systemrelevanten Banken, die „zu groß zum Scheitern“ sind, existiert im chinesischen Bankensystem nicht, dort herrscht das Äquivalent einer Glass-Steagall-Bankentrennung, Geschäftsbanken werden von Spekulation ferngehalten.

Darüber hinaus werden die Unternehmen in China nur zu 5% über die Börse finanziert. Deshalb konnten die Chinesen die Blase platzen lassen, ohne sich größere Sorgen um die Folgen für die Realwirtschaft machen zu müssen, diese Folgen waren gleich null. Die Blase der Shanghaier Aktienbörse „ist geplatzt“, wie der Chef der Bank of China, Zhou Xiaochuan, beim Treffen der G20-Finanzminister in Ankara am 6.9. mehrfach bekräftigte. Das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt sich zwar, aber das hängt nicht mit dem Finanzsektor zusammen, sondern in erster Linie mit der Schwächung der Exportmärkte im letzten Jahr, insbesondere Europa und USA. Darauf reagiert China mit einer Verlagerung des Wachstums auf den Binnenmarkt und auf die Infrastrukturprojekte der Neuen Seidenstraße.


In den Parametern des transatlantischen Systems dagegen bleibt Zentralbanken und Regierungen praktisch nur eine Wahl: Sie müssen die Blase mit Liquiditätspumpen („Quantitative Lockerung“, QE) ständig füttern. Beim letzten Vorstandstreffen der EZB deutete EZB-Chef Mario Draghi an, daß die QE über den geplanten Zeitraum hinaus fortgesetzt werden könnte. Obwohl die Inflationszahlen belegen, daß QE das selbstgesetzte Ziel in der Eurozone nicht bewirkt hat.


In Japan wird sogar erwogen, das Liquiditätspumpen der Zentralbank an die Banken noch auszuweiten, nachdem die neuesten Zahlen für den August einen beträchtlichen Rückgang bei Maschinenkäufen, Exporten und Inflation zeigten. Der Ökonom Paul Krugman, der als einer der Hauptautoren der QE und „Konjunkturprogramme“ von Regierungschef Abe gilt, wurde am 9.9. zitiert, er fürchte, das ganze Programm sei gescheitert. Wie der italienische Ökonom Alberto BAGNAI treffend sagte: „Zwei Dinge im Leben sind sicher: der Tod, und daß QE nicht funktioniert.“


Nun blicken alle wie die Kaninchen auf die Schlange auf die Federal Reserve, die heute wieder über die Zinspolitik entscheiden wird. Der Chefökonom der Weltbank, Kaushik Basu, warnte am 9.9., wenn die Fed die Zinsen erhöhe, wären die Folgen „Panik und Chaos und soziale Unruhen in Volkswirtschaften von Schwellenländern“. Zurückhaltend formulierte er weiter: „Die Weltwirtschaft sieht so trübe aus, daß ich das Gefühl habe, wenn die USA inmitten von alledem einen hastigen Schritt tun, dann wird das Länder ziemlich übel treffen.“ Die Wahrheit ist, daß das System auf rein monetäre Weise nicht zu retten ist. Wenn man die Blase mit QE noch vergrößert, vergrößert man nur das Problem. Die einzige Lösung besteht darin, die Wall Street durch die Wiedereinführung der Glass-Steagall-Bankentrennung dichtzumachen!




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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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17. September 2015
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