Wenn die ersten Banken sich aus dem Bankensystem zurückziehen...

Die Negativzinspolitik der Zentralbanken hat erwartungsgemäß die Realwirtschaft nicht belebt, sondern ruiniert nur die Einlagenfunktion des Bankwesens. Das größte Geldinstitut Japans, die zweitgrößte Versicherung der Welt und die zweitgrößte Bank Deutschlands behalten lieber ihr Geld für sich, als Negativzinsen in Kauf zu nehmen, oder erwägen dies.

Japan war der Vorreiter mit jahrzehntelanger „Quantitativer Erleichterung“, d.h. Liquiditätspumpen, die keine realwirtschaftliche Erholung brachte, aber die Renditen auslöschte. Zehnjährige Staatsanleihen haben jetzt Negativzinsen von -0,17%.
Nur 30jährige Anleihen haben mit 0,26% noch positive Zinsen, die aber in 30 Jahren mit Sicherheit durch die Inflation aufgefressen sein werden. Dies in einem Land mit einem Schulden-BIP-Verhältnis von 218%, dem höchsten der Welt.
Unter normalen Umständen müsste der Staat Anlegern zweistellige Renditen bieten, so war es nur eine Frage der Zeit, bis Anleger diese Schulden abstoßen.

Am 8.6. meldete der nationale Sender NHK, daß die Bank of Tokyo-Mitsubishi, die größte Bank Japans, als erste Großbank keine Staatsanleihen mehr kauft. Dies könne eine Welle bei den anderen Großbanken auslösen und den Bondmarkt aus dem Gleichgewicht bringen, so NHK.
In Deutschland hat Munich Re, der zweitgrößte Versicherungskonzern der Welt, angefangen, flüssige Mittel im Tresor zu lagern, statt sie bei -0,40% der EZB zu parken. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard hatte im März gesagt, der Rückversicherer werde damit experimentieren, mindestens 10 Mio.€ der Reserven in bar und Gold zu lagern, um die Durchführbarkeit zu prüfen (siehe Süddeutsche). Er wollte diesen Schritt sehen als Untermalung seiner starken Attacken auf die EZB und Mario Draghi.
Reuters zufolge wird bei der Commerzbank erwogen, es genauso zu machen. Auch einige bayerische Banken bunkern Berichten zufolge schon Bargeld. Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesbankchef Jens Weidmann haben die Negativzinspolitik der EZB öffentlich kritisiert. Die Bundesregierung, der größte Aktionär der Bank, weiß eigenen Angaben zufolge, daß die Commerzbank erwägt, kein Geld mehr bei der EZB in Frankfurt einzuzahlen.



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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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17. Juni 2016
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