Worst-EU-Lobbying-Preise für Auto- und Atomindustrie

Mehr als 6.600 Personen aus ganz Europa, darunter auch Zeitpunkt-LeserInnen haben an der Internet-Abstimmung zum "Worst-EU-Lobbying-Award 2007" http://www.spinwatch.org.uk ins Leben gerufen.


Der Hauptpreis wird an Lobbyisten, Unternehmen oder Interessenverbände vergeben, die 2007 manipulative, irreführende oder andere problematische Lobbytaktiken verwendeten, um Entscheidungen der EU zu beeinflussen. "Die Wähler aus ganz Europa stuften ihre gemeinsame Kampagne für die Verwässerung und Verzögerung von verpflichtenden CO2-Reduktionszielen als schlimmste und am meisten irreführende ein. Die EU-Kommission hatte die Reduktionsziele vorgeschlagen, nachdem freiwillige Zielvereinbarungen von der Autoindustrie nicht eingehalten wurden", so die Organisation. Die Mehrzahl der Wähler haben sich für die drei Automobilhersteller entschieden. "Als die EU-Kommission verpflichtende CO2-Ziele vorschlug, reagierten die Autohersteller sofort mit einer schmutzigen Lobbykampagne, die im grossen Umfang Panikmache und stark übertriebene Drohungen mit Fabrikschliessungen und Jobverlusten beinhaltete. Das Ergebnis der Abstimmung zeigt, dass die europäischen Bürger diese Art von irreführendem und manipulativem Lobbying ablehnen", erklärt Erik Wesselius von Corporate Europe Observatory http://www.corporateeurope.org


Der Greenwash-Sonderpreis für den unverfrorensten Versuch, sich ein ungerechtfertigtes grünes Image zu verschaffen, wurde dem Deutschen Atomforum verliehen. 34 Prozent der Stimmen ging an dieses Forum, das sich mit der Kampagne "Deutschlands ungeliebte Klimaschützer" das Image der Atomenergie aufpolieren sollte und dafür in Anzeigen und Plakaten mit Bildern von alten Atomkraftwerken in schöner und unzerstörter Natur warb. "Das Deutsche Atomforum versuchte, die öffentliche Besorgnis über den Klimawandel zu instrumentalisieren, um für die Atomenergie zu werben", so Ulrich Müller von LobbyControl http://www.lobbycontrol.de . "Die einseitigen Anzeigen nutzen idyllische Naturbilder und blenden die Risiken der Atomenergie aus, um öffentliche Akzeptanz für längere Laufzeiten für die alten Atommeiler zu schaffen." Der "Sieg" des Deutschen Atomforums in der Kategorie Worst EU Greenwash zeige, dass die Öffentlichkeit sich von diesen Grünfärbe-Versuchen nicht täuschen lasse.
 

Mit dem Slogan "Deutschlands ungeliebte Klimaschützer", der sich wie ein Aufruf für mehr Sympathie gibt, startete das Atomforum die Greenwash-Kampagne im Frühjahr 2007. Die Kampagne enthielt Anzeigen in wichtigen Leitmedien, Poster, Broschüren in verschiedenen Zeitschriften und eine Webseite mit der schamlosen Adresse http://www.klimaschuetzer.de. Die Botschaft wird unterstützt durch schöne Naturbilder, unverschmutzt und unverdorben, mit zufriedenen Menschen oder Schafen vor dem Hintergrund eines scheinbar gutartigen alten Atomkraftwerks. Damit wird der Eindruck einer wunderbaren Harmonie erweckt. Die Kampagne ist ein herausragendes Beispiel für europaweite Bemühungen der Atomlobby, den Klimawandel für die Imagewerbung der Atomenergie zu instrumentalisieren.
Aussender: pressetext.austria
27. Dezember 2007
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