Ohne Care gibt es keine Menschen, ohne Menschen braucht es keine Wirtschaft

Was würden Sie sagen, wenn Sie wüssten, dass Ihre Eltern Sie nur bekommen haben, weil man sie dafür bezahlt hat?

Mit dem Begriff „Care“ können noch immer viele Menschen nichts anfangen. Dabei fängt jedes Menschenleben mit care an und endet (hoffentlich) auch so: Mit persönlicher Zuwendung, damit „versorgt zu sein“ und „umsorgt zu werden“. Bei Care geht es um die Befriedigung der wichtigsten Bedürfnisse von mehr als siebeneinhalb Milliarden Menschen, und um die Sorge für einen verletzlichen Planeten.

Die Schweizer  Frauensynode wird sich 2020 mit dem Thema „Care“ auseinandersetzen. Zur Vorbereitung dieser Veranstaltung, ist jetzt ein Comic erschienen, der witzig und originell das Thema „Care“ erläutert. Ein erfolgreiches Crowdfunding machte das möglich.

Hintergrund

Wirtschaften ist weltweit auf unbezahlte Tätigkeiten und Faktoren angewiesen, die als selbstverständlich „vorausgesetzt“ werden. Alle „sorgenden“ Tätigkeiten in Familien und Gesellschaft und die Produktivität der Natur. Soweit es die Sorge um Menschen geht, überlässt man diese meist Frauen.

Die Veranstalterinnen der Schweizer Frauensynode weisen darauf hin, dass in der Schweiz im Jahr 2013 8,7 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet wurden. 62 Prozent der Care-Arbeit wurde von Frauen übernommen.  

Sie stellen Fragen zur Diskussion wie: "Warum steht trotzdem nichts über diese Arbeit im „Wirtschaftsteil“ der Zeitung? Was ist Care wert? Warum wird diese Arbeit so oft an Frauen und nach „unten“ delegiert?" 

Die Frauensynode ist ein prozessorientiertes und kirchennahes Projekt der Frauen-Kirchen-Bewegung Schweiz. Es hat seit 1995 in sechs verschiedenen Städten stattgefunden. Dabei versammeln sich jeweils etwa 500 Frauen aus der ganzen Schweiz, um über ein aktuelles Thema nachzudenken und öffentlich sichtbar Stellung zu beziehen.

Comic „Wirtschaft ist Care“

In der 25 Seiten starken Comic-Broschüre «Wirtschaft ist Care» stehen Sätze wie «Würdest du leben, wenn deine Eltern nur gegen finanzielle Anreize für dich gesorgt hätten?» Oder: „Ohne Care gibt es keine Menschen, ohne Menschen braucht es keine Wirtschaft“

Die Broschüre kritisiert ein weit verbreitetes Denken, das die Wirtschaft aus der Perspektive von Unternehmen und Geldgebern betrachtet und Mittel und Zweck vertauscht. Sie weisen darauf hin, dass Ökonomie eigentlich dazu da ist,  «um planvoll die Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen». Statt dessen stehen aber die Bedürfnisse von Kapitalgebern, Banken oder Unternehmen im Zentrum und das Geld.

Der Comic lädt zum Nachdenken ein und erlaubt einen Blickwechsel auf die Wirtschaft.

Die Broschüre ist in einer Auflage von 5000 Stück erschienen und kann bestellt oder herunterladen werden. (Link weiter unten).