Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung schlägt "Bedingungsloses Erbe" für alle vor

Jährlich werden in Deutschland 400 Milliarden Euro vererbt. Mehr als die Hälfte der Privatvermögen in Deutschland beruhen auf Erbschaften und Schenkungen. Von den großen Vermögen profitieren rund 1,5 Prozent der Bevölkerung. Das Erbgeschehen ist für die Konzentration von Vermögen und die Ungleichheit in Deutschland wichtiger, als die Einkommensverteilung.

Schon lange nicht mehr waren Einkommen und vor allem die Vermögen so ungleich verteilt wie heute. Und Jahr für Jahr weist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung auf die Bedeutung der Erbschaften für dieses Geschehen hin. Das leistungslose Erben wird nämlich von den meisten als ungerecht empfunden, zumal es heute mehr denn je, über die soziale Stellung von Menschen entscheidet.

Außerdem ist es extrem ungleich und ungerecht verteilt. In der Regel profitieren von Erbschaften darüber hinaus immer diejenigen, die schon viel haben und gut gebildet sind. 

Die Erbschaftssteuer ist eine Ländersteuer, und da in den neuen Bundesländern sehr viel weniger vererbt wird, profitieren vor allem die neuen Bundesländer von diesem Geschehen. 

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern, werden in Deutschland Erben geschont. In England wird zum Beispiel jeder Nachlass besteuert, unabhängig von der Stellung und dem Einkommen der Erben. 

In Deutschland fallen Erbschaftssteuern für Ehepartner erst ab 500 000 und bei direkten Nachfahren ab 400 000. In der Kritik stehen nicht nur die Bewertung der Immobilien nach einem Einheitswert, statt nach dem Marktwert,  die Möglichkeit Erbschaften in Stiftungen zu überführen bzw. die weitgehende Freistellung von Firmenerben.

Das DIW rät daher der  Deutschen Politik schon lange  die vom Bundesverfassungsgericht geforderte Erbschaftssteuerreform zu nutzen, um  etwas gegen die wachsende soziale Ungleichheit zu tun.

DIW Chef Marcel Fratzscher  machte in diesen Tagen in DER ZEIT  den interessanten Vorschlag ein „Bedingungsloses Erbe“ einzuführen. Jeder Deutsche sollte einmal im Leben 30.000 Euro geschenkt bekommen, als Starthilfe ins Leben, um sich selbständig zu machen, zur Absicherung oder um Aus- und Weiterbildung zu finanzieren.

 

07. Januar 2019
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