Stresstests für die europäischen Banken sind schlimmer als ein schlechter Witz

Am 2.11. veröffentlichte die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse der diesjährigen Stresstests für 48 der grössten Banken Europas. Sie kam zu dem Schluss, dass die europäischen Banken jetzt „widerstandsfähiger gegen finanzielle Schocks“ seien.

(Bild: Shutterstock)

Natürlich konnte bei den Tests gar nichts anderes herauskommen, weil sie keine wirklichen Tests waren. Schon die Vorstellung, die Bankaufseher würden reale Daten veröffentlichen, wenn es Probleme im Bankensystem gibt, ist absurd, denn wenn der tatsächliche Zustand einer Bank, die nicht mehr solide ist, bekanntgegeben würde, würde dies mindestens zu einem Absturz der Aktien und vielleicht sogar zu einem Run der Anleger und Investoren auf die Bank führen. Die Tests wurden daher so ausgelegt, dass der Schock, den die Banken überstehen sollten, nur ein milder war, und noch wichtiger ist, dass die Aktiva der Banken völlig unrealistisch bewertet wurden. (Bericht der EBA)

Das von der EBA dargelegte Szenario lautete ein kumulativer Fall des BIP über 3 Jahre um 2,7%; Anstieg der Arbeitslosigkeit bis 2020 auf 9,7%; kumulative Inflation über 3 Jahre erreicht 1,7%; kumulativer Fall der Preise von Wohn- und Geschäftsimmobilien über 3 Jahre um 19,1% bzw. 20%.

Wie mild dieses Szenario ist, wird deutlich, wenn man es mit dem Schock vergleicht, den die Finanzkrise von 2008 ausgelöst hat, und der im folgenden Jahr auch die grössten Volkswirtschaften der EU in die Knie zwang. Der Absturz des BIP war nicht 2,7%, sondern zweimal so gross - 5,6% in Deutschland, 5,5% in Italien, 4,4% in Grossbritannien und 2,7% in Frankreich. Angesichts der Tatsache, dass der kommende Finanzschock, der sogar auf den Finanzmärkten für unvermeidlich gehalten wird, schlimmer sein wird als der von 2008, ist offensichtlich, was von dem Szenario der EBA zu halten ist.
Ausserdem konzentrierte sich die EBA erneut auf das Kreditgeschäft der Banken, und sie unterschätzte die Finanzgeschäfte der Banken – insbesondere der systemrelevanten Banken, die dafür berüchtigt sind, dass ihre Finanzgeschäfte ihre Kreditgeschäfte bei weitem übersteigen:

„Die Wirkung des Stresstests ist vor allem angetrieben durch Verluste mit riskanten Krediten von 358 Mrd. Euro, die eine Wirkung von -425 bps in der CET1-Kapitalrate haben. Die akkumulierten Verluste durch Marktrisiken, einschliesslich der Kreditrisiken der Gegenpartei (CCR), belaufen sich auf 94 Mrd. Euro, und die Verluste bei operationellen Risiken auf 82 Mrd. Euro, was eine Wirkung -110 bps bzw. -100 bps zur Folge hat.“ (siehe auch [nicht öfffentlich]: http://storage.eba.europa.eu/documents/10180/2419 200/2018-EU-wide-stress-test-Results.pdf)

Im Klartext bedeutet diese Passage: Die EBA schätzt, dass die Banken im Fall einer „schweren Krise“ bis zu 358 Mrd. Euro Verlust im Kreditgeschäft machen könnten - d.h., viermal so viel wie im (spekulativen) Wertpapiergeschäft, wo die Verluste auf 94 Mrd. Euro geschätzt werden.
Das ist lächerlich. Der Gesamtbetrag der notleidenden Kredite (NPL) in der EU beläuft sich auf etwa 1 Bio. Euro, im Vergleich zu einer Gesamtsumme der Level-2 und Level-3-Assets der Banken von 6,5 Bio. Euro. Letzteres sind jedoch „toxische Werte“, die gar keinen Marktpreis haben, und daher mit Null bewertet werden und aus den Bilanzen gestrichen werden sollten.
Ein Drittel der NPL werden von italienischen Banken gehalten, während die Hälfte der Level-2- und Level-3-Assets von französischen und deutschen Banken gehalten werden. Indem sie sich auf das Kreditgeschäft konzentriert, stützt die EBA das Narrativ der Bankenrisiken in Italien, und sie lenkt ab von der Zeitbombe der Blase der Finanzderivate. Aber trotz dieser Haltung der EBA erhielten einige der grössten nordeuropäischen Banken, wie Lloyds, Barclays und Deutsche Bank, die schlechtesten Noten. (siehe Handelsblatt vom 2. November 2018)

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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07. November 2018
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