Verdeckte Recherche in Chinas Spielzeugfabriken

Was unseren Kindern Glück unter dem Weihnachtsbaum beschert, verursachte nicht selten anderswo auf dem Erdball Leid. Ermittler berichten aus chinesischen Spielzeugfabriken

Zwei von drei Spielsachen in Schweizer Läden stammen aus chinesischen Fabriken. Dort schuften die Angestellten weit weg von ihrem Zuhause und ihrer Familie 12 Stunden am Tag. Denn ohne exzessive Überstunden kommen sie nur auf einen Monatslohn von 250 US-Dollar, wovon niemand leben kann. In vielen Spielzeugfabriken müssen sie zudem mit schädlichen Chemikalien hantieren, ohne Schutzausrüstung und ohne darüber informiert zu werden, wie giftig diese sind. Untergebracht werden die ArbeiterInnen zu acht in kleinen, schmutzigen Schlafsälen. Und wenn sie Fabrikvorschriften verletzen, drohen harte Sanktionen. Das und mehr zeigt eine verdeckte Recherche der Arbeitsrechtsorganisationen Solidar Suisse, China Labor Watch (CLW) und Christliche Initiative Romero (CIR).

Ein Ermittler von CLW, der sich als Arbeiter in die Fabriken einschleuste, berichtete in seinem Tagebuch folgendes:

«Ich war an der letzten Station des Produktionsprozesses positioniert und musste die Heissklebe-Maschine nutzen, um die Barbie in der Plastik-Verpackung zu befestigen. Ich wurde nicht unterrichtet, einen Mundschutz oder Handschuhe zu tragen. Nach einer Weile sah der Kleber auf meinen Händen wie eine zweite Hautschicht aus. Ich war so erschöpft, meine Hände hörten nicht auf zu arbeiten und ich hatte keine Zeit, mich auszuruhen.»

Von August bis Oktober 2017 ermittelten CLW-Mitarbeiter in vier verschiedenen Fabriken, die unter anderem für die grossen Spielzeughersteller Mattel, Hasbro und Disney produzieren. Ähnliche Recherchen gab es bereits in den Vorjahren. Während dieser Zeit sprangen zwei Arbeiter einer untersuchten Fabrik aus Verzweiflung vom Gebäude. Einer kam ums Leben. Der andere ist vor Kurzem aus dem Koma erwacht, jedoch verwirrt und kaum ansprechbar.

«Die Billig-Preis-Strategie der Markenhersteller führt direkt zur Ausbeutung in den Fabriken»

Joana Eink, Kampagnenreferentin der Christiliche Initiative Romero, appelliert an die Verantwortung der Spielwarenkonzerne: «Die Billig-Preis-Strategie der Markenhersteller führt direkt zur Ausbeutung in den Fabriken. Es ist Zeit, dass die Konzerne menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen ein Ende setzen.»

Um Verbesserungen in der Spielwaren-Produktion anzustossen, sei öffentlicher Druck gefragt. Dass dieser wirkt, zeigt eine positive Entwicklung seit der letzten Recherche von CWR in 2016: So sei die Arbeitswoche von sechs auf fünf Tage reduziert worden. Und die Löhne seien in manchen Fabriken gestiegen, auch wenn sie weiterhin kein menschenwürdiges Leben ermöglichten. Auf der anderen Seite habe es jedoch auch Rückschritte gegeben. So sei bei einer Fabrik der Lohn sogar noch gesunken.

Hier gehts zur dokumentierten Recherche

Was kann ich dagegen tun? Wo kann ich faire Spielzeuge kaufen?

Strassenaktionen von Solidar Suisse-Aktivistinnen: verteilen des Fair Toys-Magazins an Kinder und Erwachsene in Basel (2.12.), Genf (6.12.) und Bern (9.12.).

 

 

01. Dezember 2017
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