Verwenden statt Verschwenden

Früher war nicht alles besser. Aber einiges schon. Zum Beispiel unser Essverhalten wie ein neues Kochbuch zeigt

«Wir leben in einem Zeitalter des Ernährungswahnsinns. Wo sind die handfesten Mahlzeiten meiner Kindheit geblieben? Stampfkartoffeln mit in Butter gebratenen Zwiebelringen, deftige Eintöpfe mit gerösteten Brotwürfeln als Zugabe, im Winter ein Topf voll Sauerkraut, Kartoffelpuffer mit Apfelmus, tellergrosse Pfannkuchen auf Platten zu Dutzend gestapelt. In der Nachkriegszeit sassen 15 Menschen an unserem Tisch, inklusive zwei Flüchtlingen, die später ihre Angehörigen nachholten. Gemüse, Obst und Kräuter kamen aus dem eigenen Garten, der von meiner Grossmutter perfekt bewirtschaftet wurde.

Wir Alten können noch von unbeschwertem Essverhalten in Kinderzeiten schwärmen. Wir zogen Mohrrüben aus dem Boden, wischten die daran haftende Erde im Gras oder an den Kleidern ab und verzehrten sie mit Genuss – auch wenn der Sand zwischen den Zähnen knirschte.»

Ob das Essverhalten früher tatsächlich so romantisch war, wie es Ilse Gutjahr in dem Vorwort des Kochbuches «Reste sind das Beste» vermittelt, darüber liesse sich mitunter auch streiten. Dass der heutige Konsum jedoch masslose Lebensmittelverschwendung verursacht, ist Tatsache. Die Rezepte des Buches, die auf die Lehre des Arztes Max Otto Bruker zurückgehen, bieten nicht nur einen nostalgischen Blick in Grossmutters Küche, sondern vor allem ganz praktische Tipps für die Zubereitung von Gerichten. Darunter Suppen und Salate aber auch Anleitungen, wie aus Tomatenüberschuss Ketchup und aus vorrätigem Gemüse Brühe hergestellt werden kann. Die Publikation ist der Mit-Autorin und Gesundheitsexpertin Erika Richter gewidmet, die kurz vor Erscheinung des Buches verstarb

Reste sind das Beste, emu-Verlag, 208 Seiten, ab 22 CHF

08. Dezember 2017
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