Wie sich Rechtsextreme und islamistische Terroristen befeuern

Das Buch «Wut» geht den Ursachen vom Islamismus und Rechtsradikalismus auf den Grund. Denn um die Extremismusspirale zu durchbrechen, müssen wir ihre Motivationen verstehen

Der islamistische wie der rechstextreme Terror ist auf dem Vormarsch. In Deutschland etwa sind politisch motivierte Strafdelikte und Terror-Ermittlungsverfahren derzeit auf einem neuen Höchstniveau angekommen. In ihrem Buch «Wut» zeigt die Extremismusforscherin Julia Ebner, wie die beiden Strömungen voneinander profitieren. «Sie spielen sich wechselseitig in die Hände und schaukeln sich mit ihren Gewalttaten auf», so Ebner.

Hass führt zu Spaltung der Gesellschaft

Mit gezielten Undercover-Recherchen und Gesprächen mit Radikalen beider Seiten geht sie den Strategien vom Islamismus und Rechtsradikalismus auf den Grund. Mit hetzerischer Rhetorik - online wie offline - schüren beide Seiten Hass und treiben einen Keil in die Gesellschaft: die eigene Gruppe wird zum Opfer, die andere zum Feind. Die Autorin behandelt die Frage, ob der von beiden Seiten als «unvermeidbar» propagierte Krieg zwischen dem Islam und dem Westen zur realen Gefahr wird.

«Man muss die Triebkräfte verstehen, die den Nährboden für die Radikalisierung auf beiden Seiten bilden»

Sie geht den Ursachen der Radikalisierung auf den Grund und zeigt, wie Extremisten Angst, Verunsicherung und Wut instrumentalisieren. Ebner sieht es als vordringlich an, die Faktoren zu verstehen, die spaltend auf die demokratische Gesellschaft einwirken, denn: «Man muss die Triebkräfte verstehen, die den Nährboden für die Radikalisierung auf beiden Seiten bilden, um die Extremismusspirale zu durchbrechen und künftige Terroranschläge zu verhindern.» 

Die gebürtige Wienerin Julia Ebner lebt heute in London, wo sie als Extremismus- und Terrorismusforscherin beim Institute for Strategic Dialogue (ISD) tätig ist. Sie arbeitete zwei Jahre für die weltweit erste Extremismuspräventionsorganisation Quilliam, die von ehemaligen Islamisten gegründet wurde. Unter anderem leitete sie Studien für die Europäische Kommission und die Kofi Annan Foundation und koordinierte das pan-europäische Netzwerk Families Against Terrorism and Extremism. 

Julia Ebner. «Wut». 2018 Theiss Verlag Darmstadt. Aus dem Engl. von Thomas Bertram. 336 S. CHF 25 / EUR 20

 

03. März 2018
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