Zehn Jahre nach dem Finanzkrach ist Bankentrennung wieder ein Thema

Geld verwalten und damit spekulieren, sind zwei verschiedene Dinge. Wenn sie in einem Bankhaus vereint sind, sind Probleme unvermeidlich.

Am 15.9.2008 mußte die viertgrößte Investmentbank der USA, Lehman Brothers, Insolvenz anmelden. Vorausgegangen war eine panische dreitägige Sondersitzung einer Handvoll Chefs großer Finanzhäuser unter der Leitung von Finanzminister Hank Paulson, dem Chef der New Yorker Fed Timothy Geithner und dem Federal- Reserve-Vorsitzenden Ben Bernanke. Nach zwei Tagen kamen sie zu dem Schluß, daß Lehman nicht zu retten sei, nachdem die Bank sich mit 30:1 Fremdfinanzierung auf den Markt der hypothekenbesicherten Wertpapiere (MBS) gestürzt hatte, der sich seit zwölf Monaten in einer Abwärtsspirale befand. (siehe dazu: https://www.forbes.com/sites/steveschaefer/2014/0 2/21/fed-members-knew-not-saving-lehman-in- 2008-was-a-bet-they-might-lose/#7562be404dcf)

Die Insolvenz von Lehman war die bevorzugte Lösung Paulsons, eines früheren Goldman-Sachs- Chefs, weil sie im Sinne des „freien Markts“ war. Als sie am 14.9. ihre Sitzung beendeten, um ihre Entscheidung bekanntzugeben, waren sie sicher, daß der „Markt“ aufatmen und die Banken schon am nächsten Tag wieder Gewinne schreiben würden.

Sie irrten sich gewaltig. Nur Stunden nach der Insolvenz geriet Merrill Lynch ins Taumeln, und dem Versicherungsriesen IAG, der „Kreditausfallversicherungen“ (CDS) für die MBS-Papiere verkauft hatte, ging das Geld aus!
Die Krise betraf kein einzelnes Unternehmen, sondern das ganze System, das Profite auf der Grundlage aberwitziger Immobilienspekulationen produziert hatte und wie ein Schneeballsystem funktionierte, seit 1999 die Glass-Steagall-Bankentrennung abgeschafft worden war. Als Paulsons Illusionen über die Heilung durch „Markeffizienz“ auf deregulierten Märkten platzten, ging man zu Plan B über: der größten staatlichen Bankenrettung der Geschichte.

Es begann mit 700 Mrd.$ unter dem Bankenstützungsplan TARP (Troubled Asset Relief Plan), damit gefährdete Finanzhäuser weiter mit wertlosem Papier wie „Derivaten“ handeln konnten, und lief dann jahrzehntelang weiter. Nach Schätzungen des TARP-Generalinspekteurs Neil Barofsly wurden den größten Banken und Investmentfonds über 23 Bio.$ (1012) in Form von Krediten, Zuschüssen, Steuergutschriften etc. bereitgestellt. Und obwohl behauptet wird, heute stehe das System auf festen Füßen, herrscht bereits die große Angst vor dem nächsten Crash (Business Insider: TARP Did Not Save Us From A Great Depression, It Nearly Created One).

Infolgedessen gibt es neue Forderungen nach einer Wiedereinführung der Glass-Steagall-Bankentrennung. Dann bleiben die Investmentbanken auf ihren Verlusten sitzen, weil Derivate nur noch ihren wahren (Nicht-)Wert hätten, aber Geschäftsbanken und deren Einleger hätten staatlichen Schutz.
Besonders prominent ist diese Forderung bei den US-Kreditgenossenschaften, ihr Verband NAFCU veröffentlichte kürzlich ein Weißbuch „Modernisierung der Finanzdienstleistungen – das Glass-Steagall-Gesetz neu betrachtet“, und die NAFCU- Vizepräsidentin Carrie Hunt verfaßte dazu am 11.9. einen Gastkommentar in «The Hill». Sie spielt zwar die Gefahr eines neuen Finanzkrachs herunter, betont aber: Weil nach dem Krach 2008 das Glass-Steagall-Gesetz nicht wieder in Kraft gesetzt wurde, dauerten die Praktiken der „systemrelevanten“ Banken, die zum Kollaps führten, als die Häuserpreise einbrachen, heute noch an, man gehe „exzessive und ungezügelte Risiken ein“.
Ähnliche Warnungen gibt es in Deutschland, und in Italien ist die Bankentrennung Teil des Programms der Regierungskoalition.

Im Wahlkampf 2016 hat sich Donald Trump öffentlich für die Wiedereinführung von Glass Steagall ausgesprochen, aber dies wurde vom Kongreß, Finanzminister Mnuchin und anderen blockiert. Bei einer Konferenz des Schiller-Instituts in New York am 13.9.2018 erklärte der frühere Trump-Berater Roger Stone jedoch, Larry Kudlow, der maßgebliche Wirtschaftsberater des Präsidenten, habe ihm versichert, daß Glass- Steagall „kommen wird“.

 

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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20. September 2018
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