Jamal Khashoggis Vermächtnis

Die Washington Post hat den letzen Kolumnentext veröffentlicht, den der ermordete saudi-arabische Journalist schrieb. Es ist ein Plädoyer für eine freie, arabische Stimme.

Ich habe jüngst den Bericht “Freiheit in der Welt” aus diesem Jahr gelesen. Dort wird festgestellt, dass unter allen arabischen Ländern nur Tunesien ein freien Land ist. Jordanien, Marokko und Kuwait werden als „teilweise frei“ klassifiziert. Alle anderen werden als „nicht frei“ bezeichnet.  Das bedeutet: Die AraberInnen die in diesen Ländern leben, sind entweder  uninformiert oder falsch informiert. Sie sind nicht in der Lage die Dinge, die ihr Land und ihr täglichen Leben betreffen, angemessen zu reflektieren. Ein staatlich verordnetes Weltbild dominiert die öffentliche Meinung. Und auch wenn viele daran nicht glauben, wird doch eine große Mehrheit der Bevölkerung zum Opfer dieses Unwahrheiten. Leider ist es wenig wahrscheinlich, dass sich daran etwas ändert.

Die Hoffnungen des arabischen Frühlings wurden schnell enttäuscht.

Die arabische Welt war voller Hoffnung im Frühling 2011. Journalisten, Akademiker und die Bevölkerung hofften auf eine freie und glückliche arabische Gesellschaft in ihren Ländern. Sie glaubten, dass sie sich von der Hegemonie ihrer Regierungen und der ständigen Zensur befreien könnten.

Diese Hoffnungen wurden schnell enttäuscht. Die Gesellschaften fielen entweder in den vorherigen Zustand zurück oder die Verhältnissen wurden schlimmer als zuvor.

Mein guter Freund, der bekannte Saudi Arabische Saleh al-Shehi, schrieb eine der bekanntesten Kolummnen der Saudischen Medien. Jetzt wurde er zu einer ungerechtfertigten fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er sich gegen das Saudische Establishment geäußert hat.

Die Beschlagnahmung der gesamten Auflage der  Zeitung, al-Masry al Youm, durch die ägyptische Regierung hat nicht zu einem Aufstand der Medien geführt. Sie provozierte keine Gegenreaktion der internationalen Gemeinschaft. 

Die arabischen Regierungen haben freie Bahn.

Infolgedessen haben die arabischen Regierungen freie Bahn, die Medien zunehmend zum Schweigen zu bringen. Es gab eine Zeit, in der Journalisten glaubten, dass das Internet Informationen von der Zensur und Kontrolle befreien würden, wie sie Printmedien üblich ist. Aber die Regierungen, die ihre Existenz allein der Kontrolle aller Informationen verdanken, haben das Internet aggressiv blockiert. Sie haben lokale Reporter verhaftet und Inserenten unter Druck gesetzt.

Es gibt einige Oasen, die den Geist des Arabischen Frühlings verkörpern. Die Regierung Katars unterstützt weiterhin die internationale Berichterstattung, ganz im Gegensatz zu den Nachbarstaaten, die alles tun, um die Kontrolle über alle Informationen aufrechtzuerhalten, und um die  "alte arabische Ordnung" aufrechtzuerhalten.

Auch die relativ freien arabischen Ländern zögern Journalisten aus unfreien Ländern eine Plattform zu bieten.

Selbst in Tunesien und Kuwait , wo die Presse zumindest "teilweise frei" ist,  konzentrieren sich die Medien auf innenpolitische Fragen und berichten nicht über die Probleme, mit denen die arabische Welt konfrontiert ist. Sie zögern, Journalisten aus Saudi-Arabien, Ägypten und dem Jemen eine Plattform zu bieten. Sogar der Libanon, das Kronjuwel der arabischen Welt, ist, wenn es um die Pressefreiheit geht, der Polarisierung und dem Einfluss der pro-iranischen Hisbollah zum Opfer gefallen. Die arabische Welt errichtet eine eigene Version des Eisernen Vorhangs. Er wird nicht von externen Akteuren, sondern von den Kräften im eigenen Land errichtet, die um die Macht kämpfen.  

Die arabische Welt braucht wieder eine Art "Radio Free Europe".

Während des Kalten Krieges spielte Radio Free Europe, das im Laufe der Jahre zu einer kritischen Institution wurde, eine wichtige Rolle bei der Förderung und Aufrechterhaltung der Hoffnung auf Freiheit. Die Araber brauchen etwas Ähnliches.

1967 übernahmen die New York Times und die Post gemeinsam die Zeitung „International Herald Tribune“,  die bald zu einer Plattform für Stimmen aus der ganzen Welt wurde.

Die New York Post, hat die Initiative ergriffen, viele meiner Stücke zu übersetzen und auf Arabisch zu veröffentlichen. Dafür bin ich dankbar. Araber müssen in ihrer eigenen Sprache lesen, damit sie die vielfältigen Aspekte und Schwierigkeiten der Demokratie in den Vereinigten Staaten und im Westen verstehen und diskutieren können.

Wenn ein Ägypter einen Artikel darüber liest, wie teuer ein Bauprojekt in Washington ist, kann er die Auswirkungen ähnlicher Projekte in seiner Gemeinde besser verstehen.

Wir brauchen eine unabhängige Plattform für freie arabische Stimmen.

Die arabische Welt braucht eine moderne Version der einstigen internationalen Medien, damit die Bürger über globale Ereignisse informiert sind. Noch wichtiger ist eine Plattform die arabischen Stimmen Raum gibt. Wir leiden unter Armut, Misswirtschaft und fehlender Bildung. Die  Schaffung eines unabhängigen internationalen Forums, frei vom Einfluss nationalistischer Regierungen, die mit ihrer Propaganda Hass verbreiten,  würde den Menschen in der arabischen Welt helfen die strukturellen Probleme ihrer Gesellschaften zu verstehen und anzugehen.  

______________

Ausgewählte Artikel in englischer Sprache zur Kashoggi-Affäre, zusammengestellt von global research.