Klimaschutz in 24 Stunden

In über 100 Städten weltweit haben am 27. Oktober Tech-Experten, Unternehmer und kreative Köpfe während 24 Stunden über möglichen Lösungen gebrütet. Das sind die Gewinner

 Knapp zwei Wochen vor dem Weltklimagipfel COP 23 in Bonn trafen sich am 27. Oktober 2017 Tech-Experten, Programmierer, Start-up-Unternehmer und kreative Köpfe zum diesjährigen Zürcher Climathon. Sie entwickelten in kürzester Zeit in kleinen Teams knapp 30 neue Konzepte für einen besseren Klimaschutz in Zürich. Dabei standen vier Bereiche im Fokus: klimafreundliche Stadtplanung, Essbare Stadt, Energiedatennutzung und E-Mobilität. Der Climathon ist eine globale Veranstaltung und fand parallel in über 100 Städten auf der ganzen Welt statt, darunter London, Berlin, Brüssel, Reykjavik, Johannesburg, Sydney und Hongkong.

Einige Gewinner kurz vorgestellt:

 

Electric Feel (Start-up in der Challenge E-Mobilität)

Electric Feel ist ein Start-up, das bereits mit seinem Sharing-Konzept für E-Roller in Barcelona, Madrid, Lissabon und Rom aktiv ist. Beim Climathon hat sich Electric Feel angeschaut, wie sich das Laden von E-Autos angenehmer und zeitsparender gestalten lässt und dazu das Konzept der ‹Mobility Hubs› entwickelt. Diese Hubs kann man sich als Parkhäuser vorstellen, die mehrere Probleme zugleich lösen: Sie können von E-Autofahrern zum Aufladen der Fahrzeuge genutzt werden, als Parkmöglichkeit und zum Umstieg auf E-Roller. Die Innenstadt von Zürich kann mithilfe der Hubs und E-Roller quasi autofrei werden. Ausserdem entfällt das Problem der zeitintensiven und lästigen Parkplatzsuche in der Innenstadt. Moritz, einer der Entwickler der Idee, erhofft sich damit weniger Fahrzeuge in der Stadt, was auch zu weniger Lärm und sinkender Luftverschmutzung führen würde. Electric Feel hat bereits eine Simulation erstellt. Sie zeigt, wie die neuen Bewegungsmuster mit zunächst vier ‹Mobility Hubs›, die sich Stadtrand von Zürich verteilen, aussehen würden. 

 

Spark Horizon (Start-up in der Challenge E-Mobilität)

Das Start-up Spark Horizon will das erste für Nutzer kostenlose Ladenetzwerk anbieten, das sich durch Werbetreibende finanzieren kann. Im Rahmen des Climathons hat Spark Horizon ein Planungstool für die bessere Nutzung von E-Autos konzipiert. Beim Umstieg auf ein Elektroauto muss zunächst einmal ein Bewusstsein geschaffen werden, dass das Aufladen des Fahrzeugs ganz anders funktioniert als vorher das Tanken, erklärt Georgette von Spark Horizon, die die Idee mit entwickelt hat. Das Planungstool bindet den Terminkalender des Nutzers ein und kann so Vorschläge für Routen machen oder anzeigen, wo sich die nächste Ladestation befindet, und vieles mehr. Das ist auch für Touristen und Besucher interessant, die mit der Verkehrs- und Ladeinfrastruktur in Zürich noch weniger vertraut sind. Das Projekt von Spark Horizon soll dazu beitragen, dass mehr Menschen E-Autos nutzen wollen und die CO2-Emissionen stark zurückgehen.

 

WeGrow (Idee in der Challenge Essbare Stadt)

WeGrow ist eine Matchmaking-Plattform für Gärtner, die ähnlich wie Airbnb funktioniert. Wer einen Schrebergarten, aber nicht genug Zeit hat, diesen ausreichend zu bewirtschaften, oder für längere Zeit in den Urlaub fährt, kann seinen Garten auf der Plattform mit einem eigenen Profil samt Beschreibung und Fotos einstellen. Mit der Hilfe von WeGrow kann er so Leute finden, die keinen Garten haben, aber gern einen mitnutzen wollen und die sich um den Garten sowie den Anbau von Obst und Gemüse kümmern. In dem Profil lässt sich auch angeben, ob auch ‹Garten-Neulinge› willkommen sind oder bestimmtes gärtnerisches Know-how gesucht wird. Über die Plattform sollen ausserdem Gartenpartys und Events rund ums Gärtnern organisiert werden.

Züri Watt (Idee in der Challenge Energiedatennutzung)

Mit dem Projekt Züri Watt haben die Entwickler eine neue, lokale Währung geschaffen, die auf Energiedaten basiert. Je mehr der eigene, aktuelle Energieverbrauch reduziert wird, desto mehr Geld kann man verdienen. Wer wieviel Energie verbraucht, kann dank des Einbaus von Smart Metern künftig viel transparenter nachvollzogen werden. Diese intelligenten Messsysteme könnten auch in der Schweiz verpflichtend werden. Bei lokalen Partnern in ganz Zürich, die ebenfalls die Idee des Klimaschutzes unterstützen, kann das durch Energiesparen erwirtschaftete Geld dann wieder ausgegeben werden, so zum Beispiel in teilnehmenden Cafés oder Bäckereien. Die Energiespar-Plattform von Züri Watt schafft Anreize für die Bewohner von Zürich Energie zu sparen und unterstützt die Stadt Zürich dabei, sich dem selbst gesteckten Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft zu nähern.

Felix and DuDa (Idee in der Challenge klimafreundliche Stadtplanung)

Mit ‹Felix und DuDa› bekommt die Stadt Zürich Feedback zu öffentlichen Plätzen, erhält Daten über Bewegungsmuster in der Stadt sowie direkte Verbesserungsvorschläge durch die Nutzer der App. Stadtplanungsprojekte können auf diese Weise noch zielgerichteter und nutzerorientierter umgesetzt werden. Ein Nutzer der App teilt dazu mit, an welchem Ort er sich gerade befindet und beantwortet Fragen zu seinem Aufenthaltsort, z.B. als wie sauber, laut oder angenehm er den Ort empfindet. So erkundet er nicht nur auf eine neue Art seine Stadt, sondern kann als Belohnung für sein Feedback zudem zwischen Aktivitäten oder Produkten wählen, die er kostenlos erhält, für die er sonst zahlen müsste. Das kann z.B. ein Besuch im Schauspielhaus oder in einem Museum sein. Das Team von ‹Felix und DuDa› hat beim Climathon in nur 24 Stunden nicht nur die Idee entwickelt, sondern gleich eine Webseite inklusive Prototypen aufgesetzt. Weitere Infos hier: http://felix-duda.strikingly.com

ARC (Idee in der Challenge E-Mobilität)

ARC verfolgt den Ansatz, die Nutzung von Elektroautos für den Mainstream interessanter und lebenspraktischer zu machen. Mit einer App, die Fahrzeug und Handy verbindet, wird jederzeit nachverfolgt, wo sich der Fahrer gerade befindet und wie lang sein Akku noch reicht. Fällt der Akkustand z.B. unter die 25-Prozent-Marke, wird sichergestellt, dass ein mobiler Batterie-Service sich in der Nähe befindet. Mithilfe von Machine-Learning erkennt die App auch sich wiederholende Bewegungsmuster der Nutzer, wie z.B. den Weg zur Arbeit. So kann ARC mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussagen, an welchen Orten in Zürich in den nächsten Stunden Akkus aufgeladen werden müssen. Die Entwickler Vincent und Sinead haben bereits viel Zuspruch für ihre Idee erhalten und wollen sie auch nach dem Hackathon weiter nach vorne bringen, um mehr Menschen von der Nutzung von E-Autos zu überzeugen, die mit ARC ein ganzes Stück nutzerfreundlicher wäre. Auch an die Privatsphäre haben die Entwickler gedacht. So kann der Nutzer auf Wunsch das Tracking des Fahrzeuges auch deaktivieren.

https://climathon.climate-kic.org

03. November 2017
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