Kurswechsel der US-Zentralbank ist Auslöser der türkischen Finanzkrise

Der Rubel und die Türkische Lira gehören zu wichtigen Währungen, die jetzt abstürzen. Der Hintergrund ist die riesige, hochanfällige globale Blase minderwertiger Unternehmensschulden, die sich im Zuge des verantwortungslosen Gelddruckens der Zentralbanken im Laufe eines Jahrzehnts angehäuft haben.

Von den 75 Bio.$ (1012) Unternehmensschulden weltweit, die ein Rating haben, steht mehr als die Hälfte auf Ramsch-Niveau oder nur eine Stufe darüber. Die Zinserhöhungen in den USA haben den Fluss des «Carry Trade» aus den Schwellenländern umgekehrt, und der steigende Dollar macht diese Unternehmensanleihen unbezahlbar.

Im Falle der Türkei geht es um 337 Mrd.$ in Dollar ausgewiesene Unternehmensschulden – vor allem, weil die Regierung entschieden hatte, ihren Wirtschaftsaufbau statt über öffentlichen Kredit über die Finanzmärkte zu finanzieren. Ein Grossteil dieser Unternehmensschulden (180 Mrd.$) sind kurzfristig und gefährdet.

Allerdings sind die türkischen Staatsschulden extrem niedrig, unter 30% des BIP, es bleibt also viel Spielraum für Interventionen. Die Lira ist seit Jahresanfang immer mehr abgerutscht, und die dramatischen Einbrüche nach den Ankündigungen der US-Zölle verschärfen dies.
Die Türkei hat Möglichkeiten, sich vor Kapitalflucht und Spekulationsattacken zu schützen. Die ersten Massnahmen der Zentralbank waren auch einigermassen wirkungsvoll, und der Kredit über 15 Mrd.$, den Katar versprochen hat, hat die Lage definitiv verbessert.

Aber ähnlich wie bei der griechischen Finanzkrise 2008 wackeln nun die grossen europäischen Banken. Insbesondere spanische und französische Banken halten hohe Summen an türkischen Unternehmensschulden, allein die spanischen 80 Mrd.€.
Und es gibt noch mehr Währungen von Schwellenländern – die ironischerweise «aufstrebende Märkte» genannt werden – und vielleicht sogar einigen europäischen Staaten, die wegen des stärkeren Dollars in Not geraten.

 

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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23. August 2018
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