Der grosse Unterschied zwischen Kranken- und Sterbebett

In den Krankenhäusern werden Sterbende gleich behandelt wie Kranke, denn die Einrichtungen für ein würdevolles Sterben fehlen. Aber nicht nur das: Ärzte, die Pharmaindustrie und das Kranken- und Versicherungssystem sind wenig interessiert an einer Unterscheidung zwischen Kranken- und Sterbebett. Sie erzielen mit dem praktizierten System gigantische Umsätze und Gewinne.

Alle Hochkulturen und Naturreligionen gehen davon aus, dass die menschliche Seele nach dem «Eintritt des physischen Todes» irgendwie weiterlebt. Erst seit einigen Jahrzehnten wird die Perspektive des «Ewigen Lebens» der Seele, verbunden mit dem Gesetz der «Wiedergeburt» verneint und verdrängt. Dafür wird den Lebenden eine geist- und zukunftslose «absolute» Sterblichkeit zugesichert, und das auch von naturwissenschaftlicher Seite her. Der Körper wird generell als Sekundärorgan des Hirns klassifiziert – daher zerteilt man ihn beliebig nach Versagen bestimmter Hirnfunktionen, obwohl Herz und Puls noch arbeiten.

Das Sterben nicht stören
Wie Hippokrates dokumentierte, war es den Ärzten in der Antike untersagt, einen für den Arzt erkennbaren, offensichtlich eintretenden Sterbeprozess durch Leben erhaltende Aktionen oder Eingriffe zu stören. Man wusste um die Endlichkeit des physischen Körpers, aber auch darum, dass die mit dem Lebensende verbundene Verwandlung nicht behindert, verzögert und schon gar nicht, wie heute üblich, mit Schmerzmitteln auf Drogenbasis (Morphium) und Medizinaltechnik blockiert werden darf. Denn damit durchläuft ein sterbender Körper bereits die «Hölle» auf Erden – und der Sterbende erlebt tausend Tode. Auch Wissenschaftler verschiedener Disziplinen rufen heute die Mediziner dazu auf, mehr Respekt vor der Endlichkeit zu zeigen und zu praktizieren. Die von einem Krankenhaus gebotene Maximalversorgung mit Sonderabteilungen, Technik und Hochleistungsmedikamenten ist die denkbar schlechteste Umgebung, um in innerer Ruhe und Frieden sterben zu können.


Der seelische Schmerz wiegt schwerer
Abgesehen von den rein körperlichen Aspekten machen sich die Mediziner und die mit Krankheit und Sterben beschäftigte Fachwelt auch Gedanken, wie man seelische Leidensprozesse und Schmerzen wie Angst, Unruhe, Depression, Resignation, Vereinsamung, Ungewissheit lindern oder bekämpfen kann. Aber das von Medizin, Krankensystem, Versicherung und Öffentlichkeit vertretene System, das nicht von der Existenz einer Seele ausgeht, schliesst jegliche Humanisierung des Sterbeprozesses aus – auch wenn das Gegenteil vorgetäuscht wird. Leidende und Sterbende erleben, dass seelische Schmerzen ungleich schwerer zu ertragen sind als körperliche, denn die Medizin hat den rein physischen Schmerz gut im Griff. Damit verstärkt sich das seelische Leiden, weil der Mensch seinem Leidensschicksal trotzdem nicht entrinnen kann. Denn: dem Leiden und Sterben zu begegnen ist menschengemäss, – so war es seit jeher.

Am besten im Kreise der Nächsten
Die heute vorliegenden Studien über «Fast-Tote», die aus dem Sterbeprozess zurückgeholt wurden, belegen, dass vor dem physischen Tod vor allem seelisch-emotionale Schmerzen spürbar waren. Die schrecklichen Zustände, die aufgrund der negativen Erwartungshaltung durchlebt wurden, wären unnötig gewesen, wenn die «Wahrheit» schon vorher bekannt gewesen wäre. Nun habe man – so alle Zurückgeholten – jegliche Angst vor dem Tod verloren und sehe der nächsten Konfrontation mit ihm gelassen und angstfrei oder gar freudig entgegen. Als besonders belastend und den Sterbeprozess erschwerend wird das Verhalten der Angehörigen, aber auch das Krankenhausumfeld geschildert. Niemand der schon einmal Fast-Verstorbenen möchte beim nächsten Mal im Krankenhaus seinen letzten Atemzug tun.
Ein Sterbender braucht ein Umfeld, in dem er sich auf das Sterben konzentrieren kann, im Idealfall im Kreise seiner Liebsten. Versäumnisse auf diesem Gebiet können weder von der Medizin noch durch kirchentheologische Rituale nachgeholt werden.

Was Sterbende im Krankenhaus erwartet
Rund 75 bis 80 Prozent der Sterbenden machen ihren letzten Atemzug fest eingebunden in medizinische Hände (Klinik, Krankenhaus). Damit verbunden sind Abläufe, die sich aus dem System ergeben. Dieses System bedient viele Nutzniesser, für die der Sterbende Objekt und Mittel zum Zweck wird. Verdeutlicht wird dies durch den materiellen Aufwand, den die Kliniken den Versicherungen in Rechnung stellen. So fallen, laut Statistiken aus England und anderen Staaten, rund 70 bis 80 Prozent der gesamten Kassenausgaben für einen Versicherten auf seine letzten Lebenswochen, die in der Klinik verbracht werden, an. Die damit verbundenen Ein- und Übergriffe an den Sterbenden kann sich jeder selbst vorstellen.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages gekürzt abgedruckt aus «Welt-Spirale» 11/2003, der Zeitschrift der «Lebendigen Ethik», besser bekannt unter dem östlichen Namen Agni Yoga.  Grundlage dieser Philosophie ist die Erkenntnis, nach der das wahre Wesen des Menschen nicht sein vergänglicher Körper, sondern seine unsterbliche Seele ist. Agni Yoga lehrt, «wie die Menschen Unsterblichkeit erlangen und die Erde in ein Paradies verwandeln können, in dem es keine Not, Gier, Gewalt, Krieg, Armut und Arbeitslosigkeit gibt.
Kontakt: Spirale Verlag GmbH, Postfach 810 104, D-81901 München, e-mail: spirale.verlag@t-online.de, http://www.spirale-verlag.de – http://www.lebendige-ethik-schule.de 
01. November 2006
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