Ein Haus für alle

Das Haus an der Kontrollstrasse 22 in Biel hat schon so manches erlebt.

Die kirchliche Gassenarbeit war hier, dann die Heilsarmee mit ihrer Sozialberatung, später wurde es eine Zeit lang besetzt und nun, seit Herbst 2016, haben der Verein Fair und die Organisation Stand up for Refugees das Zepter übernommen. Was so eigentlich gar nicht stimmt. Denn das «Haus pour Bienne», wie es jetzt heisst, soll ein Haus mit möglichst flachen oder gar keinen Hierarchien sein. Alle sind willkommen und alle können sich, je nach Interesse und Bedürfnis, einbringen. «Das Haus ist ein Ort der Vielseitigkeit», sagt Jay Ladanie von Stand up for Refugees. Entsprechend breit ist inzwischen das Angebot an Kursen, Konzerten oder Infoabenden, die im Übrigen alle kostenlos sind. Hinzu kommt eine Werkstatt, ein Nähatelier, Kinderzimmer sowie Bandraum für die gemeinschaftliche Nutzung. Gerade an den Wochenenden sei das «Haus pour Bienne» besonders bevölkert, sagt Ladanie: «Kinder klimpern auf dem Klavier, Erwachsene rennen um den Pingpong-Tisch, einige kochen für alle, andere diskutieren bei Tee und Kaffee und manchmal sitzt jemand in der Ecke und nutzt das Internet für sich.»

Derzeit wird das «Haus pour Bienne» vor allem von sozial benachteiligten Gruppen sowie Geflüchteten genutzt, doch auch die restliche Bevölkerung ist herzlich willkommen. Jay Ladanie ist sich bewusst, dass einige «Hemmungen» haben, das Haus zu besuchen. Dem versuchen die Organisationen mit einem bunten, offenen Programm entgegenzuwirken. «Von politischen Veranstaltungen über Repair-Cafés bis hin zu Flash-Tattoo-Nachmittagen, es hat für alle etwas dabei», ist Ladanie überzeugt. Für sie ist das «Haus pour Bienne» eine Art Modell für ein Zusammenleben, das Hoffnung verbreiten und Mut machen möchte: «Wenn sich alle so wie im Haus begegnen würden, wäre das Leben viel schöner. Wir versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen.»
 

 

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