Geheimdienst-Vorwurf: US-Regierung entschied, den Dschihadisten zu helfen

Der ehemalige Chef des US-Militärgeheimdienstes DIA, Generalleutnant Michael Flynn, hat in beispiellos offener Weise der Regierung Obama vorgeworfen, der Aufstieg des Islamischen Staates (IS oder ISIS) sei das Resultat einer «bewußten Entscheidung» der Regierung und kein bloßes Versagen der Geheimdienste.

In einem Interview mit Mehdi Hasan in der Sendung Head to Head (Von Angesicht zu Angesicht) des Senders Al Jazeera am 7.8. bestätigte Flynn einen DIA-Bericht aus dem Jahr 2012, in dem die Regierung Obama vor dem möglichen Aufstieg des IS und der Entstehung eines «Kalifats» der syrischen Islamisten und Al-Kaidas gewarnt wurde.


Er habe persönlich das Weiße Haus und den Nationalen Sicherheitsrat oft vor den Konsequenzen einer Bewaffnung der syrischen Rebellen gewarnt, und tatsächlich seien IS und Al-Nusra daraus entstanden.

Wir zitieren aus dem brisantesten Teil des Interviews: «Hasan: Sie sagen im Grunde, daß man zu der Zeit sogar in der Regierung wußte, daß es diese Gruppen gab. Sie sahen diese Analyse und argumentieren dagegen, aber wer hat nicht auf Sie gehört?» Flynn: Ich denke, die Regierung.

Hasan: Die Regierung drückte also bei ihrer Analyse ein Auge zu? Flynn: Ich weiß nicht, ob sie ein Auge zudrückten, ich denke, es war eine Entscheidung. Ich denke, es war eine bewußte Entscheidung.

Hasan: Eine bewußte Entscheidung, einen Aufstand zu unterstützen, an dem Salafisten, Al-Kaida und die Muslim-Bruderschaft beteiligt waren? Flynn: Es war eine bewußte Entscheidung, das zu tun, was sie tun.» Im weiteren Verlauf des Interviews kam Hasan auf die von den USA koordinierten Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen zu sprechen und fragte Flynn, warum er das nicht verhindert habe.

Er antwortete: «Ich muß leider sagen, das ist nicht meine Aufgabe..., doch meine Aufgabe war..., dafür zu sorgen, daß die Präzision unserer Geheimdienstinformationen, die vorgelegt wurden, so gut wie nur möglich war.» Gen. Flynn war auch wesentlich daran beteiligt, Präsident Obama davon abzuhalten, im September 2013 Luftangriffe auf Syrien anzuordnen, indem er genaue Informationen über die Lage vor Ort lieferte.

Er erklärte beharrlich, daß der DIA keinerlei Beweise dafür vorlagen, daß Präsident Assad für die Giftangriffe in Syrien verantwortlich wäre.

Vor einem Jahr wurde Gen. Flynn entlassen, offensichtlich, weil die von ihm gelieferten nachrichtendienstlichen Informationen der Regierung Obama nicht gefielen.



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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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17. August 2015
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