Hubschraubergeld „ist näher, als Sie denken“

Als Albert Einstein seinen berühmten Ausspruch über die Definition von Wahnsinn tat - „immer wieder das gleiche tun und ein anderes Ergebnis erwarten“ -, dachte er vielleicht nicht daran, dass genau das heute auf die führenden Zentralbanken zutreffen würde.

Obwohl die „Quantitative Erleichterung“ (QE) scheiterte, tun diese Zentralbanken immer wieder das Gleiche: Ihre Zinsen werden immer negativer, sie weiten ihre Aufkäufe auf Unternehmensanleihen aus, und sie bereiten das ultimative Liquiditätspumpen vor, das nur zur Hyperinflation führen kann. „Hubschraubergeld“ ist so verrückt, wie der Name „aus Helikoptern Geld abwerfen“ nahelegt.
Das Irrationale an der Keynesianischen Geldvermehrung in jeder Form ist, dass es eine rein monetäre Massnahme ist, während in Wirklichkeit eine Intervention zugunsten der Realwirtschaft notwendig wäre.
Ursprünglich wurde das von Milton Friedman aufgebracht, und der berühmteste Propagandist des „Hubschraubergelds“ ist der frühere Federal- Reserve-Vorsitzende Ben Bernanke, wofür er den Spitznamen „Helikopter-Ben“ erhielt.

Sowohl EZB-Chef Mario Draghi als auch der Chef der Bank von Japan, Haruiko Kuroda, haben die Idee in jüngster Zeit angesprochen und nicht abgelehnt. Allerdings sind beide Zentralbanken nach ihren derzeitigen Statuten zu keinen wirtschaftspolitischen Massnahmen befugt. Wie Kuroda am 19.4. vor dem Parlament in Tokio sagte: „Wenn sich der existierende rechtliche Rahmen nicht ändert, ist Hubschraubergeld nicht möglich.“ Genauso äusserte sich Bernanke am 11.4. auf seinem Blog der Brookings Institution, wo er für Hubschraubergeld plädiert. Es sei illegal und erst müsse das Zentralbankgesetz geändert werden, bevor man frisch gedrucktes Geld direkt an Regierungen, Unternehmen und Privathaushalte überweisen kann. Bald werde sich aber herausstellen, dass es die beste Politik sei.

In den Medien wird sogar schon spekuliert, welche Form das Hubschraubergeld annimmt - direkte Zahlungen an Regierungen, an Banken oder an die Bevölkerung? Wer immer noch meint, vielleicht sei die Idee gar nicht so schlecht, dem sollte dringend zu denken geben, dass ausgerechnet die Deutsche Bank eine Art Handbuch über Hubschraubergeld veröffentlicht hat. Wie Larry Elliot am 18.4. im Guardian schrieb: Es ist „ein Strohhalm im Wind“. Wenn QE völlig in sich zusammengebrochen sei, könnten 2017 vielleicht die Hubschrauber fliegen, so Elliott. „Aber halten Sie mal das Ohr an den Boden, dann kann man die Rotoren schwirren hören. Weit entfernt werden Vorbereitungen für Geldabwürfe aus Hubschraubern auf die Weltwirtschaft getroffen. Mit dem gehörigen Respekt vor einer der vielen grossartigen Zeilen Humphrey Bogarts aus Casablanca: ,Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber bald.’ Hubschraubergeld ist näher, als Sie denken.“


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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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Mehr zum Helikoptergeld von Mark Joob: http://insideparadeplatz.ch/2016/04/27/besser-nicht-aus-dem-helikopter-─-mit-vollgeld-gegen-das-verhaengnisvolle-trio/
28. April 2016
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