Pariser ISIS-Anschläge rufen weltweiten Pearl-Harbor-artigen Schock hervor

Die blinden Terroranschläge in Paris am 13.11. mit 130 Todesopfern und zahlreichen Schwerverletzten waren ein Weckruf für die Welt, daß der von den USA angeführte Pseudokrieg gegen den Islamischen Staat in Irak und Syrien (ISIS) nicht länger hinzunehmen ist und ein ernsthafter Feldzug gegen die Geißel des anglo-saudisch gestützten Dschihad-Terrorismus nicht länger aufgeschoben werden darf.

Dies bestätigte sich drei Tage später, als Moskau offiziell bekanntgab, daß der Absturz des russischen Metrojet-Airbus am 1.11., bei dem alle 224 Menschen an Bord starben, ebenfalls Folge eines Bombenanschlag gewesen war. Der „Pearl-Harbor-Effekt“ der Pariser Attentate war innerhalb von 24 Stunden sichtbar, als Vertreter von 20 Nationen in Wien über eine Strategie zur Beendigung des nunmehr seit fünf Jahren tobenden Syrienkriegs berieten. Anders als frühere Gespräche, die Washington und London von Anfang an mit ihrer antirussischen Politik und Schüren regionaler Konflikte sabotiert hatten, einigte man sich am 14.11. in Wien auf einen recht detaillierten Fahrplan für einen Waffenstillstand in Syrien, anschließende Verfassungsreform, Wahlen und Machtübergang.

Es gab zwar keine Einigung über die Zukunft von Präsident Baschar Assad, aber die Atmosphäre und der Inhalt des Treffens waren völlig anders. Entscheidend für diesen Durchbruch war, daß USAußenminister Kerry nicht länger durch die fanatische Abneigung Präsident OBAMAS und des Weißen Hauses gegen Präsident Putin gebremst wurde.

Als die Staats- und Regierungschefs der G20 sich am 15.-16.11. in der Türkei versammelten, war Putin die Hauptattraktion. Dies unterstreicht die gewaltige Veränderung der Weltlage seit dem letzten Jahr, als beim G20-Treffen im November 2014 westliche Regierungen Putin mieden und er vorzeitig abreiste. Inzwischen hat Rußland, mit Rückendeckung Chinas, die Vorreiterrolle im Kampf gegen die radikalen Islamisten übernommen. Diesmal traf Obama sich 35 Minuten lang persönlich mit Putin und räumte ein, daß die russische Militärintervention in Syrien dazu beitragen könne, ISIS zu besiegen.

Sehr wichtig ist, daß Putin bei dem Gipfel den entscheidenden Punkt der Finanzierung der Dschihadisten ansprach. Er gab bekannt, der russische Geheimdienst habe ein Dossier über 40 Erdölhändler und Finanziers, die für ISIS arbeiten, darunter auch einige Personen, die in Staaten der G20 leben. (Unsere Leser wissen, daß Saudi- Arabien, die Türkei und die Emirate auf der Liste weit oben stehen, weshalb es so wichtig ist, die 28 Seiten aus dem US-Kongreßbericht über die Finanzierung der Anschläge des 11. September 2001 zu veröffentlichen.) Man kann nicht darauf vertrauen, daß Obama und die EU-Regierungen, insbesondere Premier Cameron, ihre Konfrontation mit Rußland wirklich abblasen. Aber ihr Verhalten beim G20- Gipfel und danach zeigt deutlich, daß die Welt sich seit den Anschlägen des 13.11. verändert hat und daß es auf den grausamen Terror nur eine globale Antwort geben kann.



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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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28. November 2015
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