Saudi-Arabien: Religionskrieg zur Destabilisierung der Welt

Das neue Jahr hat mit dramatisch zunehmenden Spannungen begonnen. Der Gesamtkontext definiert sich vor allem durch den Zusammenbruch des transatlantischen Finanzsystems und die daraus resultierende Gefahr eines großen Krieges zwischen der NATO auf der einen und Rußland und China auf der anderen Seite, weil das anglo-amerikanische Empire verzweifelt seine überlegenheit zu erhalten sucht.


Die jüngste, große Provokation kam von der saudischen Monarchie mit der öffentlichen Hinrichtung von 47 Menschen am 2.1., darunter der höchste schiitische Geistliche des Landes, Nimr Al-Nimir, ein offener Kritiker des mittelalterlichen saudischen Regimes. Die Hinrichtungen waren nicht nur ein barbarischer Akt in der wahhabitisch-salafistischen Art des Islamischen Staats, sie sollten auch einen neuen Hundertjährigen Religionskrieg innerhalb der islamischen Welt anstoßen, in dem Sunniten gegen Schiiten und Araber gegen Perser stehen. Das saudische Regime will mit seinen Aktionen - gegen die es kaum öffentlichen Protest westlicher Regierungen gibt - die diplomatischen Fortschritte der vergangenen Monate bei den Wiener Syrienkonferenzen und bei der Einigung mit dem Iran zunichte machen.

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping wissen sehr gut, daß letztlich ihre Länder das Ziel solcher Destabilisierung sind. Vor allem Rußland hat als Reaktion darauf seine Militärkapazitäten deutlich ausgebaut.


Am Neujahrstag unterzeichnete Putin eine neue Nationale Sicherheitsstrategie, in der deutlich gemacht wird, daß Rußland Aktionen des Westens wie den Putsch in Kiew 2014 als ernste Gefahr für seine nationale Sicherheit für das Land betrachtet. Auch die Gefahren durch Dschihad-Terroristen sowie durch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und staatliche Stellen, die Regimewechsel fördern, werden ausdrücklich genannt. Ein Kommentar der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua unterstützte die neue russische Strategie und forderte eine Ausweitung der russisch-chinesischen strategischen Partnerschaft.


Auch in den USA warnen wichtige Stimmen, daß ein thermonuklearer Weltkrieg droht, weil die Regierung Obama an ihrem Ziel festhält, Staatschef Baschar Al-Assad in Syrien zu stürzen. Die Abgeordnete Tulsi Gabbard ist im Kongreß Wortführerin für den Teil des Militär- und Geheimdienstestablishments, der fordert, daß Obama auf die Regimewechselpläne verzichtet, weil sie zur direkten Konfrontation mit Rußland führen können.

Der frühere Verteidigungsminister unter Präsident Bill Clinton, William Perry, hat sich in den vergangenen Wochen ebenfalls klar geäußert, genauso wie der frühere Chef des Militärgeheimdienstes DIA, Gen. Michael Flynn, sowie der frühere Chef des US-Zentralkommandos, Gen. Anthony Zinni, der Obamas gescheiterte Strategie gegen ISIS scharf kritisiert.



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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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19. Januar 2016
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