Schrubben Sie heute Ihr schönes Parkett? Schon praktisch so ein Boden, den man nass aufwischen kann, nicht? Dank einer guten Versiegelung ist das möglich. Da verschwindet kein Wasser zwischen den Ritzen, und die Fläche blinkt und glänzt wieder in der Morgensonne, die durch wehende Gardinen ins Heim strahlt.


In unseren vier Wänden mag dies gut und recht sein. Andernorts aber gereicht dasselbe Prinzip zu einer Katastrophe. Ja, vielleicht wissen Sie jetzt, wovon ich rede. Immer mehr Häuser, Parkplätze, Autobahnen, Golfrasen und Stadtplätze versiegeln die Naturböden. Sträucher und Wiesen verschwinden, das Wasser rauscht nur noch darüber hinweg und weiß nicht, wohin es versickern soll. Sicher, es ist nicht die ausschließliche Ursache für alle Hochwasser, aber eine nicht unwichtige Rolle spielt es wohl. In Deutschland gibt es schon Städte, die zugeteerte Flächen gleich besteuern wie Gebäude, genau aus dem besagten Grund. Die Zersiedelung der Schweiz macht den eidgenössischen Boden dicht, und wenn so ein englischer Rasen supergrün daherkommt, so heißt das gar nichts, denn unter den kleinen Würzelchen sieht´s nämlich öde aus*.


Nun ja, man könnte noch lange darüber schreiben. Aber schreiten wir zur Tat. Wenn Sie also den Nachbarn beobachten, wie er einen Naturgarten zwecks "Bünzli"-Rasen planieren will, so halten Sie ihm diesen Text vor die verdutzten Augen, der hiermit mit dem Aufruf schließt: "Stopp der Versiedelungspolitik, denn der Spruch "Nach uns die Sintflut" ist hinfällig, sie war ja schon da...

 Buch-Tipps zum Thema:

1. Auswirkungen städtischer Nutzungsstrukturen auf Bodenversiegelung und Bodenpreis. Unter anderen von Günter Arlt, Jörg Gössel und Iris Lehmann Verlag: Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung ISBN: 978-3-933053-13-8

2. Fließgewässerrenaturierung heute. Auf dem Weg zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie Von Wolfgang Dickhaut, Andre Schwark und Karin Franke Verlag : Books on Demand ISBN : 978-3-8334-4968-0

3. Das Naturgarten-Baubuch. Von Fritz Hilgenstock und Reinhard Witt Verlag : Callwey ISBN : 978-3-7667-1542-5

 

Über

Urs Heinz Aerni

Submitted by reto on Do, 09/07/2017 - 11:10

Urs Heinz Aerni (*1962) besuchte in Bern die Kunstgewerbeschule, in Olten die Buchhandelsschule, machte u. a. in Zürich die Journalismusausbildung und absolvierte die Ausbildung bei BirdLife zum Feldornithologen. Er beschäftigt sich mit Tendenzen in der Gesellschaft und mit der Natur. Er pendelt zwischen Zürich, Berlin, Innsbruck und ist oft in den Bergen. Nebst Schreiben vertritt er den Zeitpunkt als Botschafter.  www.ursheinzaerni.com