Ich komme selten genug in die Stadt, um sie jedes Mal als fremde Welt zu betrachten: Die Ströme von Arbeits-, Konsum- und Unterhaltungstierchen, die sich zu Fuss, auf der Schiene oder Rädern ihren Platz suchen, der immer irgendwo anders zu sein scheint als dort, wo sie sich gerade befinden.

Was mir auffällt: Man begegnet sich nicht in einer Stadt. Man vereinbart ein Date und trifft sich dann. Aber die zufällige Begegnung wird meist mit einem «Wir sehen uns!» vertagt. Sie sehen sich gar nicht, erst später – vielleicht. Umso mehr Zeit braucht das Management der Kontakte am Smartphone. Das Hier und Jetzt findet auf einem kleinen Bildschirm statt, im Dann und Dort. Das Mobilfunknetz müsste dringend zusammenbrechen, damit sich die Menschen wieder einmal gegenseitig wahrnehmen.

15. Juni 2018vonSilva Dorfmeister