Syrien: Beispiel für die Chancen russisch- amerikanischer Kooperation

Die Lage in Syrien hat sich schnell zu einer positiven Lösung hin entwickelt, seit die Regierung Trump letztes Jahr entschieden hat, mit Rußland bei der Ausschaltung der Terrorgruppen zusammenzuarbeiten und zuzulassen, daß die syrische Armee Gebiete zurückerobert, um die Sicherheit wiederherzustellen, Versöhnung einzuleiten und den Wiederaufbau zu beginnen.

Sehr systematisch geschieht dies im Süden des Landes, in Daraa und auf der syrischen Seite der Golanhöhen, zwei Provinzen, die an Jordanien und Israel grenzen. Berichten zufolge hat Washington Ende Juni die Führung der Freien Syrischen Armee (FSA) wissen lassen, daß sie nicht länger mit Unterstützung rechnen kann, und ihr geraten, sich mit Damaskus friedlich zu einigen.
Danach stiegen viele Fraktionen der FSA in den Versöhnungsprozeß ein und bekämpften  die Terroristen von ISIS und Al-Nusra in dem Gebiet, das Teil der „Deeskalationszone“ ist, auf die sich führende russische und US-Militärvertreter geeinigt haben. Rebellen/Terroristen, die sich dem verweigerten, erhielten freien Abzug nach Idlib. In den letzten beiden Wochen ist die syrische Armee mit russischer Luftunterstützung nach Qunaitra im syrischen Teil der Golanhöhen einmarschiert und vertrieb IS und Nusra aus vielen Dörfern, bis ihnen nur ein kleiner Streifen Land an der israelischen Grenze blieb. Ohne Israels Unterstützung können sie dem syrischen Angriff nicht mehr lange standhalten.

Die jüngsten Moskaubesuche (wenige Tage vor dem Trump-Putin-Gipfel in Helsinki) von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Irans Ali Akbar Velayati, dem engsten Berater des Staatsführers Ali Chamenei, standen offensichtlich im Zusammenhang mit der Lage in Syrien. Das Resultat dieser Gespräche mit Putin sowie seines Treffens mit Trump ist offenbar, daß Israels Sicherheit garantiert wird, indem iranische Kämpfer und die mit ihnen verbündete libanesische Hisbollah aus Syrien abziehen, mindestens aus den Landesteilen, die nahe bei Israel liegen. Im Gegenzug dafür soll Israel seine Unterstützung der Terrorgruppen und seine häufigen militärischen Angriffe gegen Syrien einstellen. Dann kann Netanjahu für sich den Erfolg verbuchen, daß die Iraner abziehen müssen, und die Iraner können es als ihren Sieg verbuchen, wenn alle von Terroristen gehaltenen Gebiete in Daraa und Qunaitra befreit sind.

Die beiden anderen aktiven Kampfzonen sind Idlib im Nordwesten an der türkischen Grenze sowie Hasakeh im Nordosten an der Grenze zur Türkei und dem Irak. Mehrere Terroristengruppen und von den USA und der Türkei geförderte Rebellen, darunter die FSA, beherrschen große Teile Idlibs. Auch zehntausende Terroristen, die am Versöhnungsprozeß in anderen Landesteilen nicht teilnehmen wollten, wurden dorthin gefahren. Viele dieser Gruppen bekämpfen sich gegenseitig, Morde und sogar Massaker sind an der Tagesordnung.

Alles spricht dafür, daß dort das gleiche geschehen wird wie im Süden Syriens; die Türkei wird gezwungen sein, die von ihr kontrollierten Fraktionen wie Ahrar Al-Sham und die FSA zu einer Einigung mit der syrischen Regierung zu bewegen, alle anderen werden eliminiert. Ein Berater des syrischen Versöhnungsministers, Ahmed Munir, sagte RT Arabic am 19.7., viele Clans und Dörfer hätten Abgesandte zur Regierung und zum russischen Aussöhnungszentrum am Hmaimim-Flughafen in Latakia geschicht, um einen Versöhnungsprozeß einzuleiten und dem Staat die Kontrolle über die Städte zurückzugeben, damit Sicherheit und öffentliche Dienstleistungen wiederhergestellt werden.
Die Ausschaltung der Terroristen in Idlib wird weitaus gewalttätiger vor sich gehen als im Süden, weil sich viele Kämpfer auf engem Raum aufhalten und ihnen kein Fluchtweg bleibt, so daß sie bis zum  bitteren Ende kämpfen müssen. Allerdings hat die syrische Armee es offenbar nicht eilig, mit dieser Operation zu beginnen, bevor der Süden ganz gesichert ist.

Die meisten beteiligten Parteien gelangen offenbar zu der Erkenntnis, daß eine Lösung für den tragischen, sieben Jahre langen Krieg in ihrem eigenen Interesse  ist und daß die verbesserte amerikanisch-russische Zusammenarbeit zur Versöhnung und zur  Rückkehr der Flüchtlinge beiträgt.

 

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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