Tiny Houses – eine Tagung in Basel macht ernst

Wohnen auf kleinster Fläche, ohne dabei auf Wesentliches zu verzichten: Tiny Houses machen es möglich. An einem eintägigen Meeting wird dieses Wohnkonzept aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Das Camp bietet Raum für Austausch und Networking und ist eine Initiative von Hey und Bergs Club, Basel.

(Foto: Stone Soup Institute, Hartwell)

Wie viel Raum brauchen wir zum Leben? Wie lebt es sich auf kleinem Raum mit bewusstem Ressourcen- und Energieverbrauch? Bedeutet der Verzicht ein Verlust an Lebensqualität oder gewinnen wir durch einen nachhaltigeren Umgang mit Raum mehr «Wohlstand»?

Bei steigenden Immobilienpreisen und Raumnot in den Städten sind neue Wohnkonzepte gesucht. Eine Möglichkeit, kostengünstiger, flexibler und umweltverträglicher zu leben, sind die Tiny Houses. Der Begriff wurde vor zirka zehn Jahren in den USA geprägt. Inzwischen hat sich daraus eine europaweite Bewegung entwickelt.

Mit «Tiny Houses» werden Gebäude in der Machart kleiner Hütten bezeichnet, die einen gut ausgestatteten Wohnbereich haben. Auf kleinem Raum ist jeder Kubikmeter perfekt geplant, um möglichst viel Wohnraum zu schaffen, ohne dabei auf Wesentliches zu verzichten. Ein Faktor bei der Tiny House-Bewegung ist zudem die Selbstversorgung mit Energie und Wasser. Es gibt Häuser, die das Regenwasser sammeln, Solaranlagen oder eine Kompost-Toilette besitzen.

In der Schweiz existieren bisher nur wenige Tiny Houses. Die meisten sind Eigenbauprojekte oder einzelne von Architekturbüros initiierte Projekte. Immer mehr Architektur- und Städtebau-Fachleute setzen sich jedoch mit Ideen für winzige Häuser und Wohnungen in den Städten auseinander. Warum Tiny Houses nicht auf Hochhaus- oder Parkhausdächer setzen und Dörfer, Stadtteile und Weiler neu denken? Denn eine grosse Wohnfläche alleine bedeutet nicht automatisch Lebensqualität. Entscheidend sind vielmehr die Qualität der Nachbarschaft und das Angebot der geteilten Räume und Ressourcen.

An der Tagung am 5. Juli beleuchten 13 Kurzvorträge und Präsentationen das Thema aus verschiedenen Perspektiven. U.a. werden Stromspeicher für Tiny Houses präsentiert, rechtliche und finanzielle Stolpersteine und Möglichkeiten aufgezeigt, es gibt Einblicke hinter die Kulissen eines Tiny House-Produzenten und es werden städtische Beispiele der Verdichtung und temporären Bauens vorgestellt.

Aber auch kritische Fragen werden verhandelt: Wie sieht es aus mit dem Raum- Anspruch von Mensch und Natur? Ist die Tiny House-Bewegung dem neurotischen Minimalismus von Aussteigertum-Hippies geschuldet oder eine praktikable Lösung für Wohnungsnot und hohe Mieten? Das Summer Camp will auch dazu beitragen, die gesellschaftliche Diskussion über prekäre Wohnsituationen anzuregen und zu bereichern.

Zum Abschluss findet um 20.30 Uhr ein Podium statt:
Tiny Houses – Kleiner bauen, mehr Nachhaltigkeit?
Gäste: Jonas Bischofberger, Präsident Verein Kleinwohnformen Schweiz
Lukas Ott, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt
Esther Keller, Grünliberale BS Moderation: Martina Rutschmann

 

Summer-Camp Tiny Houses, 5. Juli 2019 Dreispitzhalle
Helsinki-Strasse 5, 4142 Münchenstein/Basel

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Auf dem Gelände gibt es Verpflegungsmöglichkeiten.
Ein Follow Up zum Thema Tiny House gibt es am 14. und 15. September 2019, Dreispitzareal, Münchenstein/Basel.
Weitere Informationen: www.bregy-buschle.ch/tiny

Das Summer Camp Tiny House ist eine unabhängige Veranstaltung von Hey und Bergs Club im Rahmen der Ziel Zukunft Biennale