Unter Raubtiere gefallen

Steueroasen finanzieren Raubfischerei und Sojaanbau im Amazonas! Auch wer kein Anhänger/in von Verschwörungstheorien ist: Diese Fakten tun weh. 

Rights of Natur Tribunal cc: cax

Ein Forscherteam aus Stockholm zeigt auf, wie eng der Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung, Steuerhinterziehung, dunklen Geldgeschäften und Politik ist. Der Befund der Wissenschaftler: Die Steueroasen dieser Welt fördern nicht nur Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Verdunkelung aller Art von Finanztransfers, sie spielen auch eine herausragende Rolle bei der Finanzierung vieler Umweltverbrechen, die die Zukunft der Menschheit bedrohen. In welchem Umfang solche Briefkastenfirmen aber darüber hinaus mit Spitzenpolitiker verbandelt sind, macht wütend bis fassungslos.

Untersucht hat das Forscherteam die 2016 und 2017 „gleakten“  Panama-Papers und Paradise-Papers. Der  Schwerpunkt lag bei der Finanzierung von Raubfischerei und der Nutzung von Regenwaldflächen des  Amazonasbeckens für Sojaanbau und die Rindfleischproduktion.

Raubfischerei überwiegend aus Steueroasen finanziert

30 Prozent aller Fischbestände gelten heute als überfischt. Das Ausmaß an Raubfischerei (illegal, unangemeldet) wird  jährlich mindestens 11 und bis zu 26 Millionen Tonnen geschätzt. Die UNO spricht  in diesem Zusammenhang von einer der größten Bedrohung des Fischbestandes und der marinen Ökosysteme. Raubfischerei ist darüber hinaus eine der wichtigsten Ursache für die wirtschaftliche Not der lokalen Fischerei.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass 4 Prozent der weltweiten Fischfangflotte unter der Flagge einer Steueroasen unterwegs sind.  Aber 70 Prozent aller Fischereischiffe, die Raubfischerei betreiben sind in Schifffahrtsregistern von Steueroasen eingetragen. Allen voran Belize und Panama.

Die Finanzierung der Soja- und Rindfleischsektor im brasilianischen Amazonasbiet liefert einen ähnlich deutlichen Befund. Von Oktober 2000 bis August 2011 kam 68 Prozent des Kapitals, das die neun größten Unternehmen für den Sojaanbau und die Rindfleischproduktion benötigt haben, aus einem dieser Steuerparadies. Bei einigen Unternehmen lag der Anteil bei bis zu 100%.  Sojaanbau ist nicht nur für die Rodung von Regenwald verantwortlich. Vor allem Soja macht die Massentierhaltung in Europa möglich, mit weitreichenden negativen Folgen für  Klima, Boden und Wasser.

Komplizen in der Politik 

Es ist kaum vorstellbar, dass bei den vielen formellen und  informellen Treffen der Finanzeliten in aller Welt, die besonders attraktiven Businessmodelle, die mit diesen schmutzigen Geschäftigen verbunden sind, kein Gesprächsthema waren. Besonders hohe Rendite haben ihren Preis und sind unter Finanzexperten stets einen Tipp wert. Umgekehrt machen dies auch verständlich, warum das Interesse der Politik an einer wirksamen Unterbindung dieser Geschäfte so gering war. Steueroasen sind nichts anderes als eine direkte und höchst effiziente Steuersubvention von Verbrechen an Menschen und Natur.Die Deutsche Wirtschaftszeitung Handelsblatt stellte jüngst folgende interessante Querverbindungen zwischen PolitikerInnen und der Steueroase Panama her: Die Panama-Paper belegen, dass die frühere EU-Kommissarin Neelie Kroes von 2000 bis 2009 die Direktorin einer Briefkastenfirma namens Mint Holdings Limited gewesen sein. Die 75-Jährige war von 2004 bis 2010 EU-Kommissarin für Wettbewerb, anschließend vier Jahr lang Kommissarin für die Digitale Agenda.  Amber Rudd, seit Juli diesen Jahres britische Außenministerin, soll zwischen 1998 und 2000 Direktorin von zwei Briefkastenfirmen gewesen sein: der Advanced Asset Allocation Fund Limited und der Advanced Asset Allocation Management Ltd.. William Francis Morneau, kanadischer Finanzminister, taucht in den Bahamas-Paper als Direktor einer Filiale seines Unternehmens Morneau Shepell auf. Der  ehemalige mongolische Premierminister Batbold Sukhbaatar war von 1997 bis 2000 Direktor einer Firma namens Boroo Mongolia Mining Corporation Limited. Der angolanischen Vizepräsidenten Manuel Domingos Vicente wird in den Dokumenten mit 15 Offshore-Firmen auf den Bahamas in Verbindung gebracht. Und der Deutsche Georg Freiherr von Waldenfels, einst Bayerischer Minister für Bundes- und Europa-Angelegenheiten und Finanzminister, war einer der Direktoren der Bahamas-Firma ITF Ltd.

 

 

 

29. August 2018
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