Wo der Mensch zur Maschine wird

Etwa 45 Millionen Menschen sind in Indiens Textilsektor beschäftigt. Die meisten von ihnen verdienen nur ein paar Dollar am Tag. Rahul Jains Debütfilm gibt einen Einblick in diese Arbeitswelt

Die Kamera schlängelt sich durch das dunkle Labyrinth. Nur vereinzelt dringt ein wenig Licht von Draussen in die Fabrik. Kalte Neonröhren lassen die in riesigen Stahlkisten gelagerten Stoffberge in allen erdenklichen Farben und Mustern erstrahlen.

In seinem Debüt «Machines» dokumentiert Rahul Jain den Alltag in einer Textilfabrik im indischen Gujarat. Mit nüchternem Blick schafft er das Abbild einer prekären Situation, die für viele Arbeiter aus einem Aneinanderreihen möglichst vieler 12-Stunden-Schichten besteht. Schutzkleidung ist fast nie zu sehen, Kinderarbeit dafür an der Tagesordnung.

Ausdrucksstarke Bilder zeigen die stete Erschöpfung der Arbeiter, in Interviews schildern
Betroffene ihre Situation. Dabei werden immer wieder fehlende Handlungsmöglichkeiten an- gesprochen: «Arbeiter könnten Löwen sein. Aber sie sind Schafe, weil sie nicht vereinigt sind», kritisiert einer die Situation mit Blick auf die fehlenden Arbeitsrechte.

Doch es gibt auch positive Stimmen. «Vieles kann man nur als Kind lernen und später nicht mehr», erklärt ein kleiner Junge den Vorteil, beizeiten mit der Fabrikarbeit zu beginnen. Dabei spricht er mehr mit sich selbst als mit der Kamera. Auch andere Arbeiter geben an, zufrieden zu sein. Immerhin haben sie im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in Indien Arbeit und können ihre Familien ernähren – wenn auch nur mit ein paar Dollar pro Tag. Das ist die Stärke des Films: uns den Wahnsinn der globalen Wirtschaftswelt vor Augen zu führen, ohne zu werten. Dabei lässt er viele Fragen im Raum stehen. Fragen, die man sich hierzulande viel zu wenig stellt, während man einen Textilstoff oder ein fertig produziertes Kleidungsstück in den Händen hält.

«Machines» ist ab 25. Januar 2018 in den Deutschschweizer Kinos zu sehen.

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