Inflation und «Zentralbankkriege»

Die Einen fordern mehr Liquidität, die Anderen Zinserhöhungen – beides schadet der Realwirtschaft.

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Die Frage, wie man auf die explodierende Inflation reagiert, ist Berichten zufolge Gegenstand eines übernationalen politischen Machtkampfes. Die eine Seite fordert eine Drosselung („Tapering“) der Liquidität auf dem Markt, die andere besteht auf einer Fortsetzung der expansiven Geldpolitik, um einen Finanzkollaps zu verhindern.

Beide Wege sind katastrophal. In Europa fordert der scheidende Bundesbank-präsident Jens Weidmann eine Straffung der Geldpolitik, um den dramatischen Preisanstieg einzu-dämmen. Auf dem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt sagte er: „Wir sollten das Risiko einer zu hohen Inflation nicht ignorieren“, die Geldpolitik solle nicht zu lange dem derzeitigen Kurs folgen.

Das „Tapering“  solle beschleunigt werden, fordert in den USA der Präsident der Federal Reserve von St. Louis, James Bullard vom Fed-Chef Jerome Powell – also eine Drosselung der inflationären Liquiditätszufuhr.

Man solle versuchen, etwas „falkenhafter“ vorzugehen, und versuchen, das Inflationsrisiko in den Griff zu bekommen, sagte Bullard letzte Woche in einem Interview mit Bloomberg Television. („Falkenhaft“ bedeutet im Zentralbankjargon, zur Inflationsbekämpfung die Zinsen zu erhöhen.)

Ähnlich sagt Goldman Sachs für das nächste Jahr zwei Zinserhöhungen voraus – d.h. befürwortet sie –, fast ein Jahr früher als die bisherigen Prognosen des Unternehmens.
Dagegen meinte die Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco, Mary Daly, wie von AP am 18.11. zitiert: „Die Fed sollte ihr derzeitiges Tempo des ,Tapering‘ bis Juni beibehalten und dann, unter der Annahme, dass die Pandemie ihren Griff auf die Wirtschaft stetig lockert, abwarten, um einen klareren Eindruck zu bekommen, ob die Inflation nachlässt.“

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hieb in dieselbe Kerbe. In einer Rede vor dem Europaparlament am 15.11. räumte sie ein, ihre Einschätzung der Inflation sei falsch gewesen: „Es wird länger dauern, bis sie zurückgeht, als ursprünglich angenommen.“ Unterdessen erreichte die EZB-Bilanz den Rekordwert von 8,38 Bio. €. (1012)

Nach Angaben von NTV pumpt die EZB unter Lagarde monatlich 171 Mrd.€ in das Finanzsystem. Das sind an einem Tag 5,7 Mrd.€ – fast soviel, wie dem Welternährungsprogramm zufolge erforderlich wäre, um die weltweite Hungersnot zu beheben!

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Der Text stammt aus dem (kostenpflichtigen) Newsletter des Schiller-Instituts.