OECD und Finanzkrise: Augen zu und durch

Was du nicht weisst, macht dich nicht heiss. Das muss sich wohl die OECD gedacht haben, als sie den aktuellen Stand der so genannten Subprime Krise beschreiben wollte. In ihrem neusten Papier mit dem Titel «The Subprime Crises: Size, Deleveraging und Some Policy Options» aktualisiert sie den Abschreibungsbedarf der Banken, d.h. sie erhöht ihn von 300 Mrd. Dollar (Stand September 2007) auf 352 bis 422 Mrd. Das ist allerdings nur die Hälfte des Verlustes, der zu verkraften wäre, wenn man die Schrott-Papiere in den Büchern zu den aktuellen Marktpreisen verkaufen müsste. Irgendwie scheint die OECD zu hoffen, dass sich das Ganze irgendwie noch erholt, obwohl sie selber weitere Verluste prognostiziert, die ihrerseits die Stimmung (und damit auch die Preise) weiter in den Keller reissen dürften.
Weil sie dieser Schizophrenie nicht ins Augen blicken kann (oder darf), erledigt sie das grösste Problem in dieser verfahrenen Situation mit dem ominösen Satz «it is probably best not to find out». Was hier nicht herausgefunden werden soll, sind die Sub-prime-Engagements der Hedge Funds, der grössten Kunden der Banken. Denn wenn die andauernde Sub-prime-Krise die Hedge Funds in die Illiquidität treibt, dann wackeln auch die Kredite der Banken an die Hedge Funds im Umfang von 1,3 Billionen Dollar. Wie gross dieses Risiko dann für die Banken ist, findet die OECD, «is probably best not to find out».

Dafür weiss die OECD schon, wer für diese Verluste gerade zu stehen hat: wir Steuerzahler. Konkret: Eine staatliche Gesellschaft soll die faul gewordenen Hypotheken aufkaufen und dadurch die Preise oben und das System am Laufen halten.
Wohin das führt, is probably best not to find out.
Geni Hackmann
30. Juni 2008
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