GEN Jubiläum in Findhorn: Geschenke und Zukunftspläne

Ein Bericht über die diesjährige internationale Zusammenkunft des Global Ecovillage Networks.

Vom 6. bis 11. Juli waren 280 VertreterInnen von Ökodörfern aus 50 Ländern nach Findhorn gekommen, um den 20. Geburtstag des Global Ecovillage Network zu feiern. Die beiden Gründer Ross und Hildur Jackson hatten ein besonderes Geschenk im Gepäck: In den kommenden 3-5 Jahren wird der Gaia-Trust die finanzielle Unterstützung von GEN noch einmal entscheidend erhöhen - genug, um das Netzwerk von einem Freiwilligennetzwerk in eine professionell arbeitende Organisation umzubauen.


Eine Bedingung für diese Unterstützung ist, dass gleichzeitig ein Businessplan entsteht, der die «Gemeinschaft der Gemeinschaften» in Zukunft finanziell unabhängig werden lässt. Dazu könnten Beratungstätigkeiten ebenso gehören wie das Angebot von Waren und Dienstleistungen aus Gemeinschaften, das durch ein Exchange-Netzwerk organisiert werden soll.
Die zweite Bedingung ist, dass Kosha Joubert, die bisherige Präsidentin von GEN International, als Geschäftsführerin dem Netzwerk treu bleibt. Ross: «Wir sind sehr glücklich darüber, wie GEN sich unter der Arbeit von Kosha weiter entwickelt hat, wie viel internationale Relevanz das Netzwerk erhalten hat.»


Auch Gaia Education, das «Kind» von GEN, macht sich gut: Die von ihr getragenen Ecovillage Design Education (EDE) Kurse laufen in 40 Ländern und sind mittlerweile auch als Fernstudium in Zusammenarbeit mit Universitäten zu buchen.
Gleichzeitig machte das Treffen in Findhorn deutlich, dass in vielen Ländern Ökodörfer nicht nur die Wahl eines anderen Lebensstils bedeutet: Teilweise schmerzhafte und sehr berührende Berichte aus China, Kolumbien, Palästina, dem Iran und Bangladesh zeigten, dass Gemeinschaftsbildung, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Verantwortung für die Natur und die Wirtschaft manchmal überlebensnotwendig sind.


Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit «Versöhnung Nord-Süd», «Tiefem Austausch zwischen Ökodörfern, Geschlechtern und Generationen» sowie mit dem Aufbau eines internationalen Expertenteams für Katastrophenvorbeugung und -hilfe: Unter den Namen «EmerGENcies Protocols» und Blueprint wird die technische, soziale und ökologische Erfahrung aus Ökodörfern nutzbar gemacht für Krisengebiete, Flüchtlingslager und Wiederaufbau.


Weitere Ergebnisse des Kongresses: Die neuen Präsidenten von GEN International sind Daniel Greenberg (USA) und Beatriz Arjona (Kolumbien). Kosha Joubert wird Geschäftsführerin. Der Verein GEN Europe bestätigte die Gemeinschaft Arterra in Spanien als Sitz seines Büros. Hier wird auch die GEN-Konferenz im kommenden Juni stattfinden.


Nachhaltigkeit und Autonomie in Griechenland: «Nicht in unserem Namen»

Während die Europäische Union über Griechenland beriet, stellte sich auf dem GEN-Kongress das griechische Ökodorfprojekt Skala vor: ein entstehendes Ökodorf 40 km außerhalb von Thessaloniki in Nordgriechenland. Eine Arbeitsgruppe auf dem Kongress nahm die erzwungenen Sparmaßnahmen für Griechenland zum Anlass, einen Solidaritätsplan für das Land auszuarbeiten. Zu dem Plan gehört eine Reihe von EDE-Kursen im Land, eine Ökodorf-«Tour de Greece», wo Wissen und Techniken für natürliches Wassermanagement, regionale Autonomie, Nahrungsmittelanbau, lokale Wirtschaftskreisläufe und Gemeinschaftsaufbau vermittelt werden soll.


Aus dem offenen Brief der deutschen Teilnehmer an Angela Merkel: «Wir erfahren in unserer Arbeit täglich, dass gesunde Gemeinschaften und Kooperation mit der Natur die Basis für eine gesunde Wirtschaft ist. Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie von Hilfsmaßnahmen für Griechenland und Südeuropa sprechen, wo es doch um eine lukrative und hochverzinste Kreditvergabe geht, deren Last die Ärmsten der Armen tragen: die Rentner, die arbeitslosen Jugendlichen, die Kranken in den Krankenhäusern, die kaum noch versorgt werden können. Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie den Ländern Südeuropas ein Wirtschaftsmodell aufzwingen wollen, das sie abhängig von den reichen Ländern macht und ihre Solidarität und Würde, die Natur und die regionalen Wirtschaftskreisläufe zerstört."


Italien: Ökodorf Torre Superiore stärkt regionale Allianzen für Lebensmittelautonomie

Seit 26 Jahren besteht Torre Superiore in Ligurien. Seit zehn Jahren hat es in der Region Aktivitäten, soziale Kohäsion und lokale Wirtschaftskreisläufe gestärkt. In Ventimiglia initiierte es gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung das Gartenprojekt Ortinsieme, was so viel heißt wie: Gemeinsam gärtnern. Das Projekt übernimmt seit Jahren brachliegende Flächen und Gewächshäuser der stillgelegten Blumenproduktion.


Inzwischen nehmen 60 Familien an der entstandenen Food-Coop teil und bauen ihre Lebensmittel gemeinsam an, teilweise mit Permakulturmethoden. Der älteste von ihnen ist Francesco, der sich mit seinen 87 Jahren leidenschaftlich um Gemüsebeete kümmert. Neben vielen Gemüsen und Kräutern gibt es auch zwanzig Hühner und eine kleine exotische Avocado-Produktion. Ein Teil der Flächen dient sozialen und kulturellen Aktivitäten und für den Unterricht für die lokalen Schulen. Einmal im Jahr lädt Ortinsieme zu einem Gartenfest mit einem großen Essen ein. Giorgio Caniglia, der Präsident von Ortinsieme: «Die Produkte werden sozusagen sozialistisch aufgeteilt: Wer mitarbeitet, isst auch mit, und unter denen, die an den drei Gemeinschaftstagen teilnehmen, werden die Produkte geteilt.» Inzwischen wird das Projekt in den Städten Vallecrosia and Sanremo nachgeahmt.


Uruguay: Gemeinschaftlich Land befreien

Inmitten einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Weinbaugebiet Uruguays arbeiten zwei Gemeinschaften an der Renaturierung der Landschaft. Das «Gemeindemanagement zur Verbesserung des Arroyo Wassereinzugsgebiet» wurde durch das Mikrokredit-Programm Uruguays 2013 unterstützt. Die beiden Gemeinschaften LaTierrita und La Comarca hatten den Erzählungen des Gemeindeältesten Nene zugehört, der in den heute verschmutzten Bächen noch geschwommen war, geangelt und Wäsche gewaschen hatte. Hier hatten Kinder gespielt, Zeremonien und Taufen waren abgehalten worden.


Jetzt war die Berührung mit dem Wasser nicht mehr gesund, und zum Schwimmen führte er zuwenig Wasser. Die Gemeinschaften pflanzten einige tausend einheimische Bäume und begrünten die Bachufer. Sie arbeiteten mit Nachbarn und Universitäten und motivierten sogar die Armee zu einer Pflanzaktion. Inzwischen zeigen sich erste Erfolge: die erste Otterfamilie wurde gesehen, und viele Vögel siedelten sich wieder an. Ein kleiner Obstwald zieht bereits die Kinder an.


Japan in Transition: Nachhaltige Gesellschaft statt Atomkraft

Nach Fukushima begannen viele Japaner die Suche nach nachhaltigen Lebensformen und wurden auf die Transition-Bewegung aufmerksam. Shunro Yoshida, einer der Flüchtlinge der Katastrophe, ließ sich 2011 in Kyusyu nieder. Transition Japan hatte bereits im Jahr 2009 gegründet. Zum 6. Jahrestreffen des Netzwerkes trafen sich 50 Initiativen aus ganz Japan. Einer ihrer Pläne ist der Aufbau eines neuen Ökodorfes in Nogata ab nächstem Frühjahr. Ein anderes Projekt ist die Unterkunftsbörse, an der alle Transition-Mitglieder beteiligt sind: Im ganzen Land geben sie sich kostenlos oder sehr günstig Unterkünfte. Eine Landkarte der Selbstversorger Japans hilft beim Handel und Tausch von Lebensmittel und Saatgut.
Shunro: «Japan war zu 30% von Atomenergie abhängig. Seit dem Unglück suchen wir im ganzen Land nach Alternativen, für uns, für unseren Planeten, für die Kinder. Die Bewegung wird wie eine große Familie und macht uns als Netzwerk immer stärker und nachhaltiger.»
Zusammen mit dem Ökodorf- und dem Permakulturnetzwerk gehört die Transition-Bewegung zu den sichtbarsten und aktivsten Akteuren für eine nachhaltige Lebensweise.
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Mehr Informationen:


Über das Global Ecovillage Network: gen.ecovillage.org und gen-europe.org


Zum Projekt in Griechenland:
Gesucht sind Freiwillige, Experten in den genannten Bereichen, die ihre Mitarbeit anbieten möchten, aber auch Spenden. Das erste gemeinsame Netzwerktreffen findet Ende August im Skala-Ökodorf statt. Bitte melden bei Anna Fillipou (sie spricht deutsch): filippuanna(ät)yahoo.gr

Mehr: www.skalaecovillage.com

Über das Projekt in Uruguay:
www.arroyitocolorado.blogspot.com


Über Transition in Japan:
www.transitionnetwork.org/initiatives/japan und as-one.main.jp
16. August 2015
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