Märchenhafte Sieben

Sieben Sachen packen und ab hinter die sieben Berge – am besten bis das verflixte siebte Jahr vorbei ist ...

Um in die märchenhafte Welt der Sieben einzutauchen, schlüpfe man gleich in die Siebenmeilenstiefel. Wer sie trägt, verfügt über Zauberkräfte, kann über kurze Zeit riesige Distanzen überwinden und wird jedem Bösewicht der Welt ein Schnippchen schlagen. So wie der Däumling, der mit diesen Stiefeln den mächtigen Riesen ausgetrickst hat. Ihren Namen bekamen die Stiefel von den schweren Reitstiefeln der Postreiter, die nur alle sieben Meilen den Boden berührten: Dann, wenn Reiter oder Pferdegespann an den Stationen ausgewechselt wurden. Wenn Siebenschön den Weg der wackeren Reiter kreuzte, vielleicht auch vorher? Sie, welche die Schönheit von sieben Frauen in sich vereinigt.
Doch selbst dieses Glück wird manch ein Siebenschläfer verträumen, gleich den sieben Jünglingen, die der Christenverfolgung im Römischen Reich entgangen sein sollen, indem sie in eine Höhle bei Ephesos flüchteten, dort einschliefen und dabei eingemauert wurden. Vom Jahre 251 bis 447 sollen sie dort geschlafen haben, bis man sie zufällig entdeckte. Ihnen zu Ehren wurde fortan am 27. Juni (nach altem julianischem Kalender am 7. Juli) der Siebenschläfertag gefeiert. An diesem Tag soll sich das Wetter der nächsten sieben Wochen entscheiden: «Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt»,  sagt die Volksweisheit. «Wer länger schläft als sieben Stund, verbringt sein Leben wie ein Hund», auch diese Mahnung haben die sieben Jünglinge verschlafen: Als sie endlich aufwachten, vermochten sie gerade noch ihren Glauben an die Auferstehung der Toten zu bezeugen, um dann wenig später zu sterben... 
Vielleicht hätten sie es halten sollen wie der Bärenhäuter. Sieben Jahre lang musste dieser bewusst ein jämmerliches Leben erdulden, doch umso reicher wurde er danach beschenkt. Und wäre er nicht erlöst worden, so hätte er es nach weiteren sieben Jahren nochmals gewagt.

Wenn wir unsere Sieben Sachen gepackt haben, ist immerhin alles dabei, was wir auf der Lebensreise brauchen. Auch wenn wir  es nicht so auf der Kiste haben, wie der Siebengescheite, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Ob wir Sieben auf einen Streich erwischen werden, sei deshalb dahingestellt. Nicht jeder hat das Zeug zum tapferen Schneiderlein und braucht daher zuerst eine Verwandlung, um zur Essenz zu finden. Die sieben Raben  läuterten sich im gläsernen Zauberschloss, bis ihre kleine Schwester sie erlöste und ihnen wieder zu menschlicher Gestalt verhalf. Die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen boten Schneewittchen Asyl während ihrer Metamorphose. Ob die Männlein für die Metalle der Erde stehen, für die sieben Stufen der alchemistischen Wandlungsprozesse oder gar für die sieben Planeten wollen wir offen lassen. Beharrt eine Frau nämlich zu sehr auf ihrer Ansicht, so galt sie im Volksmund als böse Sieben, als ein zänkisches Weib. Im Mittelalter munkelte man, sie habe alle sieben Todsünden im Leib, was je nachdem bis auf den Scheiterhaufen führte. Ob da auch ein beliebtes Kartenspiel mitgewirkt hat? Die Trumpfkarte Sieben beim «Karnöffelspiel» sticht alle anderen Karten, sogar den Kaiser und den Papst: ursprünglich zeigte sie den Teufel, später ein «böses» Weib...

Gut, dass man heute lieber Horoskope deutet: Das siebte Haus soll bei bestimmter Planetenkonstellation das eheliche Zusammenleben beeinflussen und im verflixten siebten Jahr die Beziehung gefährden. Astrologisch gesehen sei es der Zeitpunkt, an dem man einen kritischen Blick  auf die Ausgangsposition werfen und überprüfen solle, ob was damals begann, noch Bestand habe. Im Tarot finden wir die Sieben in der Karte des Wagens. Hier steht sie für Erfolg und führt Held oder Heldin siegreich ans Ziel, haben sie doch die bewussten und die unbewussten Kräfte harmonisch vor ihren Lebenswagen gespannt. Damit durchqueren die HeldInnen selbst die sieben Sphären zwischen Himmel und Erde, durch die auch unsere Planeten wandern und  Gott und die Welt miteinander verbinden. Durch ihre Reibung sollen sie die sieben Töne unserer Tonleiter erzeugen, die als Sphärenmusik nur höre, wer reinen Herzens sei. So mag man sich jetzt im siebten Himmel fühlen, oder man entledige sich unversehens der Siebenmeilenstiefel ...



Mehr über das Verschwinden des Sonntags im Schwerpunktheft «Am siebten Tag»
09. Februar 2014
von: