In der Vortragsreihe «Psychiatrie – Fotografie – Kreativität» betrachten Fachpersonen aus Psychiatriepflege, Kunst und Wissenschaft bis 11. Oktober verschiedene Aspekte des Alltags in der Psychiatrie. Sie ist Teil der aktuellen Sonderausstellung «Durch die Linse. Fotografien aus dem Psychiatriealltag» des Historischen Museums Olten im Haus der Museen.

zvg

«Psychiatrie und Kreativität sind zwei Begriffe, die seit dem späten 19. Jahrhundert eine Verbindung eingegangen sind», schreibt die Forscherin Katrin Luchsinger in einer ihrer Publikationen. Im Rahmen der Sonderausstellung «Durch die Linse. Fotografien aus dem Psychiatriealltag» findet von September bis Mitte Oktober die Vortragsreihe «Psychiatrie – Fotografie – Kreativität» im Konradsaal im Haus der Museen statt. Mit eingeladenen Fachpersonen aus Psychiatriepflege, Kunst und Wissenschaft wird jeweils dienstags von 19.30 bis 20.45 Uhr dieses Zusammenspiel von Kreativität und Psychiatrie aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Aufnahmen aus dem eigenen Patientenzimmer

Am 20. September spricht etwa Monika Jagfeld, Leiterin Museum im Lagerhaus St. Gallen über das Künstlerische unter allen Umständen: Immer wieder macht Roland Schneider Aufnahmen seines eigenen Patientenzimmers in der Psychiatrischen Klinik Solothurn. Sie belegen, wie der Fotograf sein Zimmer okkupiert, selbst gestaltet und zu einem Atelier umdeutet.

Einen Blick in die Geschichte der Fotografie wirft die Kunsthistorikerin Katrin Luchsinger in ihrem Vortrag «Hinter Mauern. Fotografie in psychiatrischen Einrichtungen von 1880 bis 1935» am 27. September. In vielen psychiatrischen Einrichtungen wurde bereits um 1900 fotografiert. Bestände von «Lichtbildern» finden sich in Kliniken und Staatsarchiven. Sie tauchen in Lehrbüchern und Lehrmitteln zur Ausbildung des Pflegepersonals auf, und in werbewirksamen Broschüren für ein breites Publikum.

Zum Abschluss der Vortragsreihe werden die in der Sonderausstellung ausgestellten Fotografen und Künstler Roland Schneider und Willi Keller genauer beleuchtet. Am 4. Oktober stellt die Kunsthistorikerin Nicole Eckardt-Siebrand das facettenreiche fotografische Werk von Roland Schneider als einer der am meisten unterschätzen Fotografen seiner Generation ins Zentrum ihres Vortrags und ordnet es kunsthistorisch ein. Am 11. Oktober untersucht Peter Killer, ehemaliger Leiter des Kunstmuseums Olten, die in den 70er Jahren entstandenen Zeichnungen von Willi Keller, die psychische Befindlichkeiten spiegeln.