Schauspieler oder Ärzte?

Die FMH-Imagekampagne gibt alles andere als einen authentischen Blick hinter die Kulissen. 

Imagekampagne
Starkes Zeichen der Ärzte? Oder starke Unterwanderung durch Versicherer? Foto: zVg

Am 22. Januar 2024 lancierte der FMH, der Berufsverband der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, eine Imagekampagne. Damit wolle sie einen «authentischen Blick hinter die Kulissen und in den Berufsalltag der Ärztinnen und Ärzte» gewähren. Entsprechend sind die Darstellerinnen und Darsteller der Spots nicht Schauspielerinnen und Schauspieler, sondern Medizinerinnen und Mediziner. 

Ihren Praxisalltag stellen sie allerdings verklärt-idealisierend dar und in keiner Weise authentisch. Gemäss einer Studie der FMH aus dem Jahr 2019 haben bereits damals die medizinischen, patientennahen Tätigkeiten nur gerade 34% der Arbeitszeit ausgemacht. Diese Situation hat sich inzwischen keinesfalls entspannt (siehe VSAO-Umfrage). Im Gegenteil, die von den Krankenkassen aufgebürdete Bürokratie nimmt weiter zu. Was die Patientinnen und Patienten in der Realität erfahren, widerspricht also der in den Spots fabrizierten Pseudorealität diametral. 

Wieso geht man bei der FMH davon aus, ein Spot über den Kampf einer Onkologin, hin und her telefonierend zwischen Krankenkasse und Hersteller, damit ihr Patient das Medikament bezahlt bekommt und weiterleben darf, sei weniger interessant als eine Inszenierung im Stil von «Emergency Room»? 

Vielleicht, weil der FMH-Zentralvorstand dieser schnöden Realität nicht so gerne ins Auge blickt und auch bezüglich der Wirtschaftlichkeitsverfahren, generell bezüglich der Übergriffe der Krankenkassen auf die Medizin, lieber Schönfärberei betreibt und damit ihre Mitgliederinnen und Mitglieder möglicherweise auch mal im Stich lässt. Hängt das damit zusammen, dass mit Stefan Kaufmann, Thomas Kessler und Jürg Reust gleich drei Persönlichkeiten vonseiten der Versicherer bei der FMH in «beratender» Funktion engagiert sind? 

Die von den Versicherern unterwanderte FMH produziert Imagefilme im Stil von Werbefilmen für Lebensversicherungen. Das kann nicht funktionieren. 


Als unabhängiger Think Tank erarbeitet der Verein Ethik und Medizin Schweiz VEMS in interdisziplinären Teams neue Lösungsansätze für das Gesundheitswesen. Wir stossen Diskussionen an, die in den Institutionen aufgenommen und vertieft werden.