Fester, steifer, härter

Über den Pudding

(Illustration: Harry Schaumburger)

Um es vorwegzunehmen: Es gibt Dissertationen zum Thema Pudding, und ich habe keine davon gelesen. Und es gibt Puddingentwickler und Puddingtester, und ich bin natürlich weder noch. Aber ich weiss, was man damals mit dem Spruch meinte: «Lass uns noch um den Pudding gehen». So hat am Sonntagmittag geredet, wer einen kurzen Spaziergang machen wollte, derweil auf dem Tisch ein Vanillepudding vor sich hin dampfte. Das war bereits zu Zeiten, als man mit «Pudding» eine Nachspeise bezeichnete und nicht eine Pastete aus Krebs, Hühnchen oder Rinderzunge wie im England des 14. Jahrhunderts. Diese Masse wurde in ein Stück Stoff eingenäht – oder war’s ein Kälbermagen? –, stundenlang im Wasserbad gekocht und nicht etwa als Dessert, sondern als Vorspeise in Wurstform serviert.

Wohl daher kommt die Vermutung, das Wort «Pudding» stamme aus dem Französischen bodin, was Blutwurst bedeutet; andere führen es aufs Altenglische puduc für Schwellung oder Zyste zurück. Erst ab dem 17. Jh. wurde der Pudding dann als gugelhopfartige Nachspeise beliebt, und Ende des 19. Jh. ging das erste Puddingpulver über den Ladentisch. Bis heute machen wir kaum einen Unterschied zwischen dem Pudding, also dem im Wasserbad gekochten oder in Formen gebackenen, gestürzten Dessert, und den aus Puddingpulver hergestellten Flammeri.

Dabei wird gerade dem Puddingpulver Mystisches nachgesagt. Es kann nämlich diesen unverkennbaren Duft erzeugen, den offenbar viele Leute in Erinnerungen schwelgen lässt. Jedenfalls hat Dr. Oetkers, Deutschlands grösste Puddingdynastie, damit erfolgreich Werbung gemacht. Um diesen Duft zu entfalten, muss z. B. das Vanille-Puddingpulver eine Mindestmenge von 0.5 g Vanilleschoten enthalten und das Pulver für den Schokoladenpudding mindestens 6 g Kakaopulver. Natürlich kann Pudding oder Puddingpulver noch eine Vielzahl von Zusatzstoffen enthalten wie E102 (synthetisch), E102 (allergisch) oder E160b (gentechnisch). In Verruf geraten ist der Pudding deswegen nicht.

Dass es ungesund sein könnte, jeden Tag zum Nachtisch einen Pudding zu tafeln, darin sind sich fast alle einig. Auf einschlägigen Pudding-Foren geben User aber auch zu bedenken: «Immer noch besser als ne Tafel Schoko oder Chips. Mach doch in den Pudding noch Apfelstücke oder anderes Obst rein.» Die Experten machen sich derweil eher Gedanken über die Konsistenz des Desserts. Der oberste Puddingtester von Oetkers jedenfalls ist überzeugt: «Früher, da ist er viel fester gewesen, steifer und härter. So was vergisst man nicht.»

  

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19. März 2019
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