Etwas andere China-Berichterstattung

China ist zu einem Prügelknaben des christlichen Westens geworden. Nicht nur wegen missachteten bürgerlichen Freiheiten, sondern auch weil dem arroganten Westen das Verständnis für die andere Kultur fehlt.

Hintergrundberichte zu verschiedensten Themen bringt zur Zeit täglich die Berner Tageszeitung „Der Bund“, die ein etwas anderes und vor allem differenzierteres Bild der neuen Wirtschaftsmacht zeigen. Bei regelmässiger Lektüre drängt sich die Erkenntnis auf, dass beide Kulturen viel voneinander lernen können.
Ein paar Zitate aus dem Interview „China erobert Afrika“, Ausgabe vom 29.7.08:


„Chinesische Unternehmen investieren im grossen Stil – und sind in Afrika auch deshalb beliebt, weil sie die Infrastruktur aufbauen. China ist in Afrika omnipräsent – und geschäftet auch mit Diktatoren. Zwei Schweizer Journalisten haben ein Buch über das chinesische Engagement in elf Ländern Afrikas geschrieben. Michel Beuret, einer der Autoren, gibt Auskunft.“
(Schlagzeile und Lead)


„Peking mischt sich prinzipiell nicht in die innenpolitischen Angelegenheiten seiner Handelspartner ein. Es möchte auch selber nicht wegen Tibet kritisiert werden. Die westlichen Moralpredigten kommen in Afrika nicht überall gut an. Schliesslich hatte der Westen während Jahrzehnten in Südafrika das Apartheid-Regime und in andern Ländern Diktaturen unterstützt. Der Westen hat in Afrika den Ruf, Rohstoffe im alten Stil der Kolonialherren auszubeuten.“
„Der Minen-Minister in Guinea erzählte uns, dass die Konzerne Alcoa und Péchiney sowie die Russen dort seit 40 Jahren Bauxit abbauen, es aber nicht in Guinea selber raffinieren und zu Aluminium verarbeiten. Im Gegensatz dazu haben die Chinesen jetzt nicht nur eine neue Bauxitmine gebaut und finanziert, sondern gleichzeitig auch einen Staudamm zur Stromproduktion, eine Raffinerieanlage, Strassen und Bahnlinien erstellt.“


„Die Chinesen schicken Ingenieure, die nur 800 Franken im Monat statt wie ein europäischer 16 000 Franken verdienen. Ein Europäer bringt noch seine Frau und Kinder mit, braucht eine internationale Schule, einen Geschäftswagen und regelmässig Flüge in die Heimat. Ein Chinese hingegen kommt allein, schläft bescheiden in der Fabrik auf einer Matratze und legt selber überall Hand an.“
„Innerhalb von zehn Tagen können die Chinesen Zehntausende Arbeiter von einem Bauplatz zu einem anderen in irgendein Land verschieben und ein Projekt in Rekordzeit fertig stellen. China ist wohl das einzige Land der Welt, das für den Bau einer Autobahn 12’000 Arbeiter nach Algerien schicken konnte, um dort zusammen mit noch mehr algerischen Arbeitern eine Autobahn zu bauen. Die Chinesen bringen zudem eine einfachere, billigere Technologie mit, die den afrikanischen Bedürfnissen meistens besser entspricht.“
„Die chinesischen Arbeiter verdienen wenig, aber immer noch mehr als in China.“

(Buchautor Michel Beuret)


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