Neue Studien stützen WLAN-Abschaltung in Ravensburg und Wangen

Wissenschaft zeigt: WLAN-Strahlung erzeugt oxidativen Zellstress, Erbgut-Schäden und fördert Krebs
Veröffentlicht: 19. Apr 2023 - Zuletzt Aktualisiert: 19. Apr 2023

Die Städte Ravensburg und Wangen/Allgäu (beide in Baden-Württemberg) haben beschlossen, das öffentliche WLAN nachts abzuschalten. Begründung u.a.: Damit die Bürger strahlungsärmer und damit ruhiger schlafen können. Die Schwäbische Zeitung, der SWR und heise.de hatten darüber berichtet.

Heute präsentiert die Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk zwei neue Studien, die diese kommunalpolitische Vorsorgepolitik untermauern und bestätigen.

1. Langfristige WLAN-Bestrahlung führt im Tierexperiment zu oxidativem Zellstress. Das bedeutet, dass Sauerstoffradikale in den Zellen z.B. die Erbsubstanz DNA angreifen können. In der Folge stellten die Wissenschaftler auch vermehrt Krebs bei den Tieren fest.

2. WLAN-Strahlung hemmt krebsunterdrückende Reaktionen des Körpers und fördert die krebspromovierende Wirkung, wie an Zellkulturen nachgewiesen werden konnte.

Mehr noch: Seit Jahren zeigen wissenschaftliche Studien, dass WLAN-Strahlung Lernen und Gedächtnis verschlechtert, die Fruchtbarkeit schädigt und Krebs auslösen kann. Als mögliche Ursache dieser Effekte gilt oxidativer Zellstress, der bei Bestrahlung mit WLAN (oder allgemein Mobilfunkstrahlung) vermehrt in den Zellen auftritt. Oxidativer Zellstress führt zu schwerwiegenden zellulären Funktionsstörungen und entzündlichen Reaktionen im ganzen Körper, er wird z.B. auch durch das Pestizid Glyphosat oder durch Feinstaub ausgelöst.

«Wir alle wollen ruhig schlafen und gesund leben», sagt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. «Daher ist es richtig, wenigstens nachts das WLAN abzuschalten. Was Ravensburg und Wangen hier vormachen, ist vorbildlich für andere Kommunen. Und auch zu Hause ist es möglich, das WLAN nachts auszumachen: Am einfachsten per Tastendruck am Router. Wer nicht jeden Abend daran denken will, kann in den Einstellungen des WLAN-Routers per Zeitsteuerung die Abschaltung automatisieren. Dann bekommt der Körper wenigstens eine nächtliche Verschnaufpause, um sich vom WLAN-Stress zu erholen.»

diagnose:funk empfiehlt darüber hinaus, das WLAN komplett durch Verkabelung zu ersetzen, wo immer dies möglich ist: Mit USB-LAN-Adaptern lassen sich Smartphones, Tablets, Laptops und andere Geräte per LAN-Kabel am Router anschließen. Das garantiert eine unterbrechungsfreie und schnellere Verbindung ins Internet und verschafft dem Körper zu Hause Erholung.

Als Alternative zum Funk-WLAN hat diagnose:funk die Lichttechnik in einem Webinar ausführlich vorgestellt: Kabellose Datenübertragung mit Licht, eine Entwicklung u.a. des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts mit viel Zukunftspotenzial. Erste Schulen setzen diese Technologie erfolgreich ein.

Die neuen WLAN-Studien:

Capucci et al. (2022): Fruchtfliegen (klassisches Forschungstier zur Genforschung und Embryonalentwicklung) wurden WLAN-Strahlung (2,45 GHz) ausgesetzt. Dies ergab abnormale Chromosomenkonfigurationen und einen höheren Grad an Chromatindekondensation. Es zeigte sich, dass eine langfristige Exposition mit WLAN einen moderaten, aber signifikanten Anstieg von oxidativem Zellstress verursacht. Die Krabbelgeschwindigkeit der WLAN-exponierten Fruchtfliegenlarven war im Vergleich zu den Kontrolllarven signifikant beeinträchtigt. WLAN-exponierte Larven entwickelten vermehrt Tumore.

Ausführlichere Besprechung: https://www.emfdata.org/de/studien/detail&id=758

Olejarova et al. (2022): Die Studie untersucht, ob Hochfrequenz die miR-34a-vermittelte Regulierung von Uhr-Genen in einer Darmkrebszelllinie (DLD1) in vitro beeinflussen und ob dies mit dem Wachstum der Krebszelllinie in Verbindung gebracht werden kann. Das Ergebnis: Die Gene der zirkadianen Uhr (Uhr-Gene, Tag-Nacht-Rhythmus) können den Zellzyklus beeinflussen. Eine Deregulierung des zirkadianen Systems wurde mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht. Die Daten der Wissenschaftler zeigen eine signifikante Veränderung der miR-34a-vermittelten Regulation von fünf der sieben untersuchten Zielgenen durch die WLAN-Befeldung. Zusammenfassend weisen die Ergebnisse darauf hin, dass WLAN die krebsunterdrückende Wirkung von miR-34a in eine neutrale bis leicht krebsauslösende Wirkung verlagern kann.

Ausführlichere Besprechung: https://www.emfdata.org/de/studien/detail&id=760