Amed, Mêrdîn und Wan gehören seit Jahren zu den wirtschaftlich schwächsten Provinzen der Türkei. Laut aktuellen Angaben des Statistikamtes hat sich daran wenig geändert. Fachleute sehen darin keinen Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen Politik, welche die Region vorwiegend als Rohstoff- und Arbeitskräftereservoir behandelt habe.
Während westliche Landesteile industrialisiert wurden, blieben Investitionen in Kurdistan weitgehend aus. In den neunziger Jahren zerstörten oder räumten türkische Streitkräfte Tausende Dörfer im Konflikt mit der PKK. Millionen Menschen verloren ihre Existenzgrundlage und flohen oft in die Grossstädte des Westens. Nach 2016 verschärften sich die Probleme durch die Einsetzung staatlicher Zwangsverwalter in vielen Kommunen.
Lokale Entwicklungsprojekte, Genossenschaften und Beschäftigungsprogramme kamen zum Erliegen. Militärische Operationen und Zerstörungen in Städten wie Sûr oder Cizîr vernichteten zusätzlich Wohnraum und Geschäfte. Die anhaltende Abwanderung qualifizierter Jugendlicher und die hohe Arbeitslosigkeit verstärken den Kreislauf. Viele Beobachter sprechen daher nicht nur von Armut, sondern von systematischer Verarmung mit weitreichenden sozialen Folgen.